Auszüge aus Abraham H. Maslow's
"Motivation und Persönlichkeit"

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Vorwort

Ich habe versucht, die wichtigsten Lektionen der letzten sechzehn Jahre in dieser Bearbeitung zu vereinigen. Sie waren beträchtlich. Für mich ist es eine wirkliche und ausführliche Bearbeitung, auch wenn ich nicht sehr viel umschreiben mußte, da die Stoßrichtung des Buches in einigen wichtigen Aspekten modifiziert wurde, die ich im nachfolgenden aufzählen werde. Als dieses Buch 1954 erschien, war es im wesentlichen ein Versuch, auf den klassischen verfügbaren Psychologien aufzubauen, mehr als sie zu widerlegen oder andere konkurrierende Psychologien aufzustellen. Es war der Versuch, unsere Auffassung der menschlichen Persönlichkeit durch die Erfassung "höherer" Ebenen der menschlichen Natur zu erweitern. Hätte ich die These dieses Buches in einem einzigen Satz zusammenfassen müssen, hätte ich gesagt, daß zusätzlich zu dem, was die Psychologien jener Zeit über die menschliche Natur zu verkünden hatten, der Mensch auch eine höhere Natur besäße und daß diese instinktoid wäre, das heißt, Teil seines Wesens, und hätte das zutiefst ganzheitliche Wesen der menschlichen Natur betont, im Gegensatz zu dem analytisch-sezierend-atomistisch-Newtonianischen Verfahren des Behaviorismus und der Freudschen Psychoanalyse.

Oder um es anders auszudrücken, ich akzeptierte sicherlich die verfügbaren Daten der experimentellen Psychologie und Psychoanalyse und baute auf ihnen auf. Ich akzeptierte auch den empirischen und experimentellen Geist der einen und die Demaskierung und Tiefenuntersuchung der anderen, verwarf aber bereits die Menschenbilder, die sie hervorbrachten. Das heißt, daß das Buch eine andere Philosophie der menschlichen Natur darstellte, ein neues Menschenbild.

Was ich jedoch damals für ein Argument innerhalb der Familie der Psychologen hielt, erwies sich meiner Meinung nach seitdem eher als eine lokale Manifestation eines neuen Zeitgeistes, als eine neue allgemeine und umfassende Lebensphilosophie. Diese neue "humanistische" Weltanschauung scheint eine neue und weit hoffnungsvollere und ermutigendere Art und Weise zu sein, jedweden Bereich des menschlichen Wissens darzustellen; zum Beispiel Nationalökonomie, Soziologie, Biologie, und jeden Beruf; zum Beispiel Justiz, Politik, Medizin und alle sozialen Institutionen; als da wäre Familie, Erziehung, Religion und so weiter. Ich habe, indem ich dieses Buch umarbeitete, aus dieser persönlichen Überzeugung gehandelt und in der darin dargestellten Psychologie meinen Glauben ausgedrückt, daß sie ein Aspekt einer viel breiteren Weltsicht und einer umfassenden Lebensphilosophie ist, die teilweise bereits ausgearbeitet ist, zumindest bis zum Stadium der Plausibilität, und die deshalb ernst ge nommen werden sollte.
Ich muß ein Wort über die irritierende Tatsache sagen, daß diese echte Revolution (ein neues Bild des Menschen, der Gesellschaft, der Wissenschaft, der höchsten Werte, der Philosophie usw.) noch immer vom größten Teil der intellektuellen Gemeinschaft nicht beachtet wird, besonders von jenem Teil, der die Kommunikationskanäle zur gebildeten Öffentlichkeit und zur Jugend kontrolliert. (Aus diesem Grund habe ich angefangen, sie die Unbemerkte Revolution zu nennen.) Viele Mitglieder dieser Gemeinschaft verkünden eine Anschauung, die von tiefer Verzweiflung und von einem Zynismus charakterisiert wird und manchmal zur zersetzenden Bosheit und Grausamkeit ausartet. Im Endeffekt leugnen sie die Möglichkeiten, die menschliche Natur und Gesellschaft zu bessern oder innere menschliche Werte zu entdecken oder lebensliebend im allgemeinen zu sein.

Indem sie die Realität der Ehrlichkeit, der Freundlichkeit, der Großzügigkeit, der Zuneigung bezweifeln, gehen sie über einen vernünftigen Skeptizismus und die Abstinenz vom Urteilen hinaus und erreichen eine aktive Feindseligkeit, wenn sie mit Menschen konfrontiert werden, die sie als Narren, "Pfadfinder", Unschuldslämmer, "Normale" und so weiter belächeln. Dieses aktive Herabsetzen und Hassen reicht über Verachtung hinaus; manchmal sieht es wie eine erboste Gegenattacke auf alles aus, was sie als den beleidigenden Versuch betrachten, sie zum Narren zu halten, sie an der Nase herumzuführen, sie zu verulken. Psychoanalytiker würden, glaube ich, darin die Dynamik der Wut und der Rache für vergangene Enttäuschungen und Desillusionierungen erblicken.

Die humanistischen Psychologen widersprechen dieser Subkultur der Verzweiflung, dieser "mehr quälenden als Du"-Haltung, dieser Gegen-Moralität, in der Raubtierhaftigkeit und Hoffnungslosigkeit realer sind als guter Wille. Ebenso tun es die vorläufigen Ergebnisse, die in diesem Buch präsentiert werden, und die vielen Schriften, die in der Bibliographie angeführt sind. Zwar ist es noch immer notwendig, sehr vorsichtig zu behaupten, es gäbe Voraussetzungen für die "Güte" der menschlichen Natur (siehe Kapitel 7, 9, 11, 16), es ist bereits möglich, den verzweifelten Glauben fest zu verneinen, daß die menschliche Natur letztlich und im Grunde verderbt und böse ist. Ein solcher Glaube ist nicht länger eine Angelegenheit nur des persönlichen Geschmacks. Man kann ihn nunmehr nur noch durch entschlossene Blindheit und Ignoranz aufrechterhalten, durch die Weigerungen, die Tatsachen zu berücksichtigen. Man muß ihn deshalb als persönliche Projektion betrachten und nicht als eine wohlüberlegte philosophische oder psychologische Position.

Die humanistischen und ganzheitlichen Konzeptionen der Wissenschaft, die in den ersten beiden Kapiteln und im Anhang B dargeboten werden, wurden von vielen Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte bestätigt, insbesondere durch Michael Polanyis bedeutendes Buch Personal Knowledge. Mein eigenes Buch The Psychology of Science enthält sehr ähnliche Thesen. Diese Bücher befinden sich im klaren Widerspruch zur klassischen, konventionellen Philosophie der Wissenschaft, die noch immer viel zu stark vorherrscht, und sie bieten einen viel besseren Ansatz für die wissenschaftliche Arbeit mit Menschen.

Das vorliegende Buch ist durchwegs ganzheitlich, aber eine intensivere und vielleicht auch schwierigere Behandlung dieses Aspekts ist in Anhang B enthalten. Der Holismus ist offenkundig wahr – schließlich ist das All eins und auch wechselseitig bezogen; jede Gesellschaft ist eins und wechselseitig bezogen; jede Person ist eins und wechselseitig bezogen (interreliert), und so weiter – und doch war es schwierig, der ganzheitlichen Anschauung zur Geltung zu verhelfen und sie so zu verwenden, wie sie verwendet werden sollte, als eine bestimmte Art und Weise, die Welt zu betrachten. In jüngster Zeit neige ich immer mehr dazu, anzunehmen, daß die atomistische Art und Weise des Denkens eine Form milder Psychopathologie ist oder zumindest ein Aspekt des Syndroms der kognitiven Unreife. Die ganzheitliche Denk- und Sehweise scheint sich ganz natürlich und automatisch bei gesünderen, mehr selbstverwirklichenden Menschen einzustellen und scheint sehr schwierig für weniger entwickelte, reife, gesunde Menschen erreichbar zu sein. Bisher ist dies nur ein Eindruck, selbstverständlich, und ich will ihn nicht zu stark forcieren. Aber ich glaube, es ist gerechtfertigt, ihn hier als eine Hypothese zu präsentieren, die noch überprüft werden muß – etwas, was ziemlich leicht zu machen sein sollte.

Die Motivationstheorie, in den Kapiteln 3 bis 7 dargestellt und in einigem Ausmaß im gesamten Text dieses Buches, hat eine interessante Vorgeschichte. Ich stellte sie 1942 vor einer psychoanalytischen Gesellschaft dar, als Versuch, in eine einzige theoretische Struktur die Teilwahrheiten zu integrieren, die ich bei Freud, Adler, Jung, D. M. Levy, Fromm, Horney und Goldstein vorfand. Ich hatte aus meinen eigenen verstreuten Erfahrungen mit Therapie gelernt, daß jeder dieser Autoren zu verschiedenen Zeiten und für verschiedene Personen recht hatte. Meine Frage war im wesentlichen die klinische: Welche frühen Entbehrungen führen zur Neurose? Welche psychologischen Heilmittel heilen sie? Welche prophylaktischen Maßnahmen beugen ihr vor? In welcher Reihenfolge werden die psychologischen Heilmittel verlangt? Welche sind die stärksten? Welche die grundlegendsten?

Ich kann mit einigem Recht behaupten, daß diese Theorie ziemlich erfolgreich war, was klinische, soziale und personologische Aspekte anbelangt, aber nicht hinsichtlich experimenteller Situationen und Laborbedingungen. Sie vertrug sich sehr gut mit den persönlichen Erfahrungen der meisten Menschen und konnte ihnen oft eine strukturierte Theorie liefern, die ihnen half, ihrem Innenleben mehr Sinn abzugewinnen. Sie scheint für die meisten Menschen eine direkte, persönliche, subjektive Plausibilität zu haben. Und doch fehlt es ihr immer noch an experimenteller Verifikation und Unterstützung. Ich war noch nicht imstande, dafür einen brauchbaren Labortest zu ersinnen.

Eine Teilantwort auf dieses Rätsel kam von Douglas MeGregor, der diese Motivationstheorie auf die Fabriksituation angewandt hatte. Nicht nur fand er sie für das Ordnen seiner Ergebnisse und Beobachtungen brauchbar, sondern seine Ergebnisse erwiesen sich nachträglich auch als Quelle der Validierung und Verifikation der Theorie. Es ist dieser Bereich, mehr als derjenige der Laborsituation, aus dem nun die empirische Unterstützung kommt. (Die Bibliographie enthält einige Beispiele solcher Berichte.)
Die Lektion, die sich für mich daraus und aus nachfolgenden Validierungen durch andere Lebensbereiche ergab, war diese: Wenn wir über die Bedürfnisse menschlicher Wesen sprechen, sprechen wir über das Essentielle ihres Lebens. Wie hätte ich denken können, daß diese Essenz in irgendeinem Laboratorium mit Versuchstieren oder in irgendeiner Eprouvettensituation getestet werden könnte? Offensichtlich bedarf es der Lebenssituation des totalen Menschwesens in seiner sozialen Umgebung. Von hier aus wird sich Bestätigung oder Widerlegung ergeben.

Das 4. Kapitel verrät seinen klinisch-therapeutischen Ursprung durch die Betonung der Neurosenerreger mehr als der Motivationen, die dem Psychotherapeuten keine Sorgen bereiten, also zum Beispiel Trägheit und Faulheit, sinnliche Freuden und das Bedürfnis nach sensorischen Stimulationen und nach Aktivität, nach schierer Lebenslust, oder deren Mangel, die Neigung zur Hoffnung oder Hoffnungslosigkeit, die Tendenz, bei Angst, Sorge, Mangel und so weiter mehr oder minder leicht zu regredieren und so weiter, ganz zu schweigen von den höchsten menschlichen Werten, die ebenfalls Motivatoren sind: Schönheit, Wahrheit, Vortrefflichkeit, Leistung, Gerechtigkeit, Ordnung, Konsistenz, Harmonie und so weiter.

Diese notwendigen Ergänzungen zum 3. und 4. Kapitel werden in den Kapiteln 3, 4 und 5 meines Buches Psychologie des Seins, behandelt, in dem Kapitel über "Lower Grumbles, Higher Grumbles md Metagrumbles" (Niedrigeres Murren, Höheres Murren und Metamurren) meines Buches Eupsychian Management, und in A Theory of Metamotivation: the Biological Rooting of the Valus-Life.

Man wird das menschliche Leben nie verstehen können, ohne seine höchsten Ambitionen in Rechnung zu stellen. Wachstum, Selbstverwirklichung, das Streben nach Gesundheit, nach Identität und Autonomie, das Verlangen nach Vortrefflichkeit (und andere Arten, das Streben "aufwärts" zu formulieren) müssen jetzt ohne Frage als eine verbreitete und vielleicht universelle menschliche Tendenz akzeptiert werden.

Und doch gibt es auch andere regressive, angstvolle, selbstverringernde Tendenzen, und es ist sehr leicht, sie in unserer ansteckenden Begeisterung für "persönliches Wachstum" zu vergessen, besonders im Fall von unerfahrenen Anfängern. Ich glaube, daß eine notwendige vorbeugende Maßnahme gegen solche Illusionen in der gründlichen Kenntnis der Psychopathologie und der Tiefenpsychologie besteht. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, daß es viele Menschen gibt, die das Schlechtere anstelle des Besseren wählen, daß Wachstum oft ein schmerzlicher Prozeß ist und aus diesem Grund gemieden werden kann, daß wir auch vor unseren besten Möglichkeiten Angst haben, abgesehen davon, daß wir sie lieben und daß wir alle im Verhältnis zur Wahrheit, Schönheit, Tugend eine tiefe Ambivalenz an den Tag legen, indem wir sie zugleich lieben und fürchten. Freud ist noch immer notwendige Lektüre für den humanistischen Psychologen (seine Tatsachen, nicht seine Metaphysik). Ich möchte auch ein außergewöhnlich sensibles Buch von Hoggart, empfehlen, das uns sicherlich helfen kann, mitfühlend die Neigung zum Vulgären, Trivialen, Billigen und Verfälschten bei den weniger gebildeten Menschen zu verstehen, über die er schreibt.

Kapitel 4 und Kapitel 6 über "Die instinktoide Natur der Grundbedürfnisse" bilden für mich die Basis eines Systems innerlicher menschlicher Werte, menschlicher Güter, die sich selbst bestätigen, die innerlich gut und wünschenswert sind und die keiner weiteren Rechtfertigung bedürfen. Es handelt sich um eine Hierarchie von Werten, die man im Wesen selbst der menschlichen Natur findet. Sie werden nicht nur von allen Menschen gewünscht und begehrt, sondern auch in dem Sinn gebraucht, in dem sie für die Vermeidung von Krankheit und Psychopathologie notwendig sind. Um dasselbe mit anderen Worten zu sagen: Diese grundlegenden Bedürfnisse und Metabedürfnisse sind auch innerliche Verstärker, die unkonditionierten Stimuli, die man als Basis verwenden kann, auf der alle Arten instrumentalen Lernens und Konditionierens errichtet werden können. Das bedeutet soviel wie: Um diese innerlichen Güter zu bekommen, sind Tiere und Menschen bereit, praktisch alles zu lernen.

Ich möchte jedenfalls hier erwähnen, auch wenn ich nicht den Platz habe, um es weiterzuverfolgen, daß es legitim und fruchtbar ist, die instinktoiden grundlegenden Bedürfnisse und die Metabedürfnisse als Rechte sowohl wie als Pflichten zu betrachten. Das folgt unmittelbar aus der Annahme, daß Menschen ein Recht darauf haben, menschlich zu sein, so wie Katzen ein Recht darauf haben, Katzen zu sein. Um voll menschlich zu sein, sind diese Befriedigungen von Bedürfnissen und Metabedürfnissen notwendig, und man kann sie deshalb als ein natürliches Recht betrachten.

Die Hierarchie von Bedürfnissen und Metabedürfnissen war für mich in einer anderen Hinsicht hilfreich. Ich habe gefunden, daß sie als eine Art Smorgasbord-Tafel dient, von der man sich in Übereinstimmung mit dem eigenen Geschmack und Appetit bedienen kann. Das heißt, daß in jedem Urteil über die Motivation des Verhaltens einer Person auch der Charakter des Urteilenden in Rechnung gestellt werden muß. Er wählt die Motivationen aus, denen er das Verhalten zuschreiben wird, zum Beispiel in Übereinstimmung mit seinem verallgemeinerten Optimismus oder Pessimismus. Ich habe gefunden, daß die letztere Wahl heute viel häufiger vorgenommen wird, so häufig, daß ich es für nützlich halte, das Phänomen "Abwerten der Motivationen" zu benennen. Kurz gesagt ist das die Tendenz, für erklärende Zwecke den niedrigeren Bedürfnissen vor den mittleren und den mittleren vor den höheren den Vorzug zu geben. Eine rein materialistische Motivierung wird gegenüber einer sozialen oder metamotivierten oder einer Mischung von allen dreien bevorzugt. Es handelt sich um eine quasi paranoide Verdächtigung, um eine Form der Abwertung der menschlichen Natur, die ich häufig bemerke, die aber meines Wissens noch nicht zur Genüge beschrieben wurde. Ich glaube, daß jede komplette Motivationstheorie diese zusätzliche Variable einbeziehen muß.

Und selbstverständlich bin ich sicher, daß die Geistesgeschichte viele Beispiele in verschiedenen Kulturen und zu verschiedenen Zeiten für einen allgemeinen Trend zur Ab- oder zur Aufwertung der menschlichen Motivierungen aufzuweisen hat. Im Augenblick, da ich dies schreibe, geht die Tendenz in unserer Kultur eindeutig in Richtung weitverbreiteten Abwertens. Die niedrigeren Bedürfnisse werden für Zwecke des Erklärens überstrapaziert und die höheren und die Metabedürfnisse werden kaum in Anspruch genommen. Meiner Meinung nach ergibt sich diese Tendenz weit mehr aus einem Vorurteil als aus empirischen Tatsachen. Ich finde, daß die höheren und die Metabedürfnisse weit determinierender sind, als dies meine Subjekte selbst glauben und sicherlich weit, weit mehr, als es die zeitgenössischen Intellektuellen einzugestehen wagen. Offenkundig handelt es sich hier um eine empirische und wissenschaftliche Frage, und ebenso offenkundig handelt es sich um eine viel zu wichtige Angelegenheit, als daß man sie Cliquen und In-Gruppen überlassen könnte.

Ich hatte dem Kapitel 5 über die Befriedigungstheorie einen Absatz über die Pathologie der Befriedigung hinzugefügt. Sicherlich waren wir vor fünfzehn Jahren nicht darauf vorbereitet, daß sich pathologische Folgen ergeben könnten, nachdem jemand erreicht hat, was er versucht zu erreichen, pathologische Folgen also von etwas, was, wie man annehmen mußte, Glück hätte bringen sollen. Wir haben mit Oscar Wilde gelernt, uns vor dem zu hüten, was wir wünschen – denn aus der Erfüllung unserer Wünsche kann sich eine Tragödie ergeben. Das scheint auf jeder der Motivationsebenen möglich zu sein, der materiellen, der zwischenpersönlichen oder der transzendenten. Wir können aus diesem unerwarteten Befund lernen, daß die Befriedigung grundlegender Bedürfnisse nicht in sich selbst automatisch ein System von Werten ergibt, an die man glauben und denen man sich verpflichten kann. Vielmehr haben wir gelernt, daß eine der möglichen Folgen der Befriedigung grundlegender Bedürfnisse Langeweile, Ziellosigkeit, Anomie und ähnliches sein kann. Offenbar funktionieren wir am besten, wenn wir etwas anstreben, was uns fehlt, wenn wir etwas wünschen, was wir nicht haben, und wenn wir unsere Kräfte im Dienste der Bemühung organisieren, diesen Wunsch zu befriedigen. Der Zustand der Befriedigung muß nicht notwendigerweise ein Zustand garantierten Glücks oder Zufriedenheit sein. Es ist ein umstrittener Zustand, einer, aus dem sich Probleme ergeben, in dem sie aber auch gelöst werden.

Diese Entdeckung schließt ein, daß für viele Menschen die einzig denkbare Definition eines sinnvollen Lebens darin besteht, "etwas Wesentliches zu vermissen und danach zu streben". Doch wir wissen, daß selbstverwirklichende Menschen, obwohl alle ihre grundlegenden Bedürfnisse bereits befriedigt wurden, das Leben sogar noch viel sinnvoller finden, weil sie sozusagen im Reich des Seins leben können. Die gewöhnliche, weitverbreitete Philosophie des sinnvollen Lebens ist deshalb verfehlt oder zumindest unreif.

Ebenso wichtig war für mich die wachsende Realisierung dessen, was ich die Nörgelei-Theorie genannt habe. Kurz gesagt, was ich beobachtet habe, ist die Tatsache, daß die Befriedigung von Bedürfnissen nur zu einem vorübergehenden Glückszustand führt, dem seinerseits eine weitere und (hoffentlich) höhere Unzufriedenheit folgt. Es scheint, als könnte die menschliche Hoffnung auf ewiges Glück nie erfüllt werden. Sicherlich stellt sich Glück ein, sicherlich ist es erreichbar, ist es wirklich. Aber es scheint, als müßten wir seine zu ihm gehörende Flüchtigkeit akzeptieren, besonders, wenn wir uns auf seine intensiveren Formen konzentrieren. Grenzerfahrungen haben keine Dauer und können sie nicht haben. Intensives Glück ist immer eine Episode und unbeständig.

Dies bedeutet eine Revision der Theorie des Glücks, die uns drei Jahrtausende lang regiert und die unsere Begriffe vom Himmel, vom Garten Eden, vom guten Leben, von der guten Gesellschaft, vom guten Menschen bestimmt hat. Unsere Liebesgeschichten hatten das traditionelle Ende: "Und sie lebten fortan glücklich weiter." Dasselbe gilt auch von unseren Theorien des sozialen Fortschritts und der gesellschaftlichen Revolution. So hat man uns zum Beispiel auch die sehr realen, wenn auch beschränkten Verbesserungen unserer Gesellschaft zu sehr angepriesen, und das hat Enttäuschung zur Folge gehabt. Die Vorteile der Gewerkschaften, des Frauenwahlrechts, der Direktwahl des Senats, der Steuerprogression und eine Reihe anderer Verbesserungen, die wir zum Beispiel in die Ergänzungen der Verfassung übernommen haben, sind uns ebenfalls als mehr verkauft worden, als sie tatsächlich wert sind. Jede davon sollte eine Zeitenwende, ewiges Glück, die endgültige Lösung aller Probleme bringen. Das Resultat war eher Desillusionierung Post factum. Desillusionierung aber bedeutet, daß es vorher eine Illusion gegeben hat. Das muß man klar feststellen: Wir sollten nämlich vernünftigerweise hoffen, daß Verbesserungen möglich sind. Aber wir können nicht länger vernünftigerweise erwarten, daß sich Perfektion einstellt, oder gar dauerndes Glück.

Ich muß auch auf etwas die Aufmerksamkeit lenken, was man fast allgemein unbeachtet ließ, obwohl es nunmehr offenkundig zu sein scheint: Die Segnungen, die wir bereits erreicht haben, werden für selbstverständlich gehalten, werden vergessen, verschwinden aus dem Bewußtsein und werden schließlich überhaupt nicht mehr geschätzt – zumindest bis man sie uns wiederum nimmt. Zum Beispiel ist es, da ich dieses Vorwort im Januar 1970 schreibe, für die amerikanische Kultur charakteristisch, daß die unbezweifelbaren Fortschritte und Verbesserungen, die man in  150 Jahren erkämpft und erreicht hat, von vielen gedankenlosen und seichten Menschen als Fälschungen, als wertlos beiseite geschoben werden, als etwas, was es nicht wert ist, daß man dafür kämpft, daß man es schützt, nur weil die Gesellschaft noch nicht vollkommen ist.
Der gegenwärtige Kampf um die "Befreiung" der Frauen soll als einziges Beispiel dienen (ich hätte Dutzende anderer bringen können), um diese komplexe, aber wichtige Feststellung zu erläutern und um zu zeigen, wie viele Menschen dazu neigen, in einer dichotomen und spalterischen Weise zu denken, anstatt hierarchisch und integrierend. Im allgemeinen kann man sagen, daß heute, in unserer Kultur, der Jungmädchen-Traum, über den hinaus die junge Frau nicht sehen kann, am häufigsten ein Mann ist, der sich in sie verliebt, ihr ein Heim bietet und von dem sie Kinder bekommt. In ihren Phantasien lebt sie dann glücklich weiter. Doch es steht fest, daß, ganz gleich, wie sehr sie sich nach einem Kind oder nach einem Liebhaber sehnt, sie früher oder später übersättigt ist von diesen Segnungen, sie für selbstverständlich hält und anfangen wird, sich ruhelos und unzufrieden zu fühlen, als würde etwas fehlen, als müßte sie noch mehr erreichen. Der häufigste Fehler besteht dann darin, in Heim und Kind und Ehemann etwas wie einen Schwindel zu sehen, oder sogar eine Falle oder Versklavung, und sich dann nach höheren Bedürfnissen und höheren Befriedigungen zu sehnen in einem Entweder-Oder-Denken, zum Beispiel also nach Berufsarbeit, nach der Freiheit zu reisen, nach persönlicher Autonomie, und ähnlichem. Der Hauptpunkt der Nörgelei-Theorie und der hierarchisch integrativen Theorie der Bedürfnisse ist, daß es unreif und unklug ist, hierin einander ausschließende Alternativen zu erblicken. Am besten ist es, die unzufriedene Frau als jemanden zu betrachten, der den tiefen Wunsch hat, zu behalten, was er hat und dann – wie die Gewerkschaften – mehr zu verlangen! Das bedeutet, daß sie im allgemeinen alle ihre Segnungen behalten und zusätzlich noch andere auch haben möchte. Doch sogar hier sieht es aus, als hätten wir noch immer nicht diese ewig gültigen Lektionen gelernt, nämlich, daß, wenn wir erreicht, wonach wir uns gesehnt haben, Karriere oder etwas anderes, der ganze Prozeß von neuem beginnt. Nach der Periode des Glücks, der Aufregung und der Erfüllung kommt unweigerlich "das Für-selbstverständlich-Halten, die Unruhe und Unzufriedenheit, der Wunsch nach mehr!

Ich bitte, die reale Möglichkeit zu bedenken, wenn wir uns diese menschlichen Züge vergegenwärtigen, wenn wir den Traum vom dauernden und ununterbrochenen Glück aufgeben können, wenn wir die Tatsache akzeptieren, daß wir nur vorübergehend ekstatisch sein können und dann wieder unvermeidlich unzufrieden sind und nach mehr murren, daß wir dann möglicherweise imstande sein werden, die Bevölkerung zu lehren, was selbstverwirklichende Menschen automatisch tun, nämlich die Segnungen zu zählen, für sie dankbar zu sein und die Fallen der Entweder/Oder-Entscheidungen zu vermeiden. Es ist für eine Frau möglich, alle die besonderen weiblichen Erfüllungen zu besitzen (geliebt zu sein, Heim und Kind zu haben), und dann, ohne irgendeine der bereits erreichten Befriedigungen aufzugeben, weiter zu machen, über die Weiblichkeit hinaus zur vollen Menschlichkeit, die sie mit Männern teilt, zum Beispiel also ihre Intelligenz voll zu entwickeln, die Talente, die sie haben mag, ihren besonderen idiosynkratischen Genius, ihre eigene individuelle Erfüllung.

Die Stoßrichtung des Kapitels 6, "Die instinktoide Natur der Grundbedürfnisse", hat sich beträchtlich verschoben. Die großen Fortschritte des letzten Jahrzehnts auf dem Gebiet der Genetik haben uns gezwungen, den Genen etwas mehr determinierende Kraft zuzuschreiben als vor fünfzehn Jahren. Am wichtigsten für die Psychologie waren von diesen Entdeckungen meiner Meinung nach die verschiedenen Möglichkeiten der X- und Y-Chromosomen, Verdoppelung, Verdreifachung, Verlust, und so weiter. Das Kapitel 9, "Ist Destruktivität instinktoid?" ist durch diese Entdeckungen ebenfalls beträchtlich verändert worden. Vielleicht können diese Entwicklungen der Genetik meine Position klarer und kommunikabler machen, als sie es offenbar gewesen ist. Gegenwärtig ist die Diskussion über die Rolle der Erblichkeit und der Umwelt fast so simpel wie in den letzten fünfzig Jahren. Sie geht noch immer hin und her zwischen einer vereinfachenden Theorie der Instinkte einerseits, der totalen Instinkte von der Art, wie man sie bei Tieren findet, und auf der anderen Seite einer vollständigen Ablehnung des ganzen Instinkt-Standpunktes zugunsten eines totalen Umwelt-Standpunktes. Beide Positionen können leicht widerlegt werden und sind meiner Meinung nach so unhaltbar, daß man sie dumm nennen könnte. Im Gegensatz zu diesen zwei polaren Standpunkten gibt die Theorie, die in Kapitel 6 und dann im ganzen restlichen Buch formuliert wird, einen dritten Standpunkt an, daß es nämlich in der menschlichen Spezies sehr schwache Instinkt-Reste gibt, nichts also, was man als vollen Instinkt im tierischen Sinn bezeichnen könnte. Diese Instinkt-Reste und instinktoide Tendenzen sind so schwach, daß sie von Kultur und Erziehung leicht überwältigt werden; man muß beides also als viel mächtiger ansehen. Tatsächlich kann man die Psychoanalyse und andere aufdeckende Thcrapien, ganz zu schweigen von der "Suche nach Identität", als die sehr schwierige und delikate Aufgabe ansehen, durch die Ablagerungen von Erziehung, Gewohnheit und Kultur hindurch zu entdecken, was unsere Instinkt-Reste und instinktoiden Tendenzen, unser schwach angedeutetes natürliches Wesen sein könnte. In einem Wort, der Mensch hat ein biologisches Wesen, aber es ist sehr schwach und subtil determiniert, und es bedarf besonderer Jagdtechniken, um es zu entdecken; wir müssen, einzeln und subjektiv, unsere Animalität, unser Wesen als Spezies entdecken.

Das ist soviel wie die Schlußfolgerung, daß die menschliche Natur extrem formbar ist, in dem Sinn, daß es für Kultur und Umwelt leicht ist, das genetische Potential ganz zu vernichten oder zu vermindern, obwohl sie es weder erschaffen noch vergrößern können. Soweit die Gesellschaft betroffen ist, scheint mir das ein sehr starkes Argument für die absolute Gleichheit der Chancen für jedes Neugeborene zu sein. Es ist auch ein besonders starkes Argument für die gute Gesellschaft, da noch menschliches Potential von einer schlechten Umwelt vernichtet werden kann, oder durch sie Verlust erleidet. Dies unterscheidet sich gänzlich von der bereits aufgestellten Behauptung, daß die bloße Tatsache der Angehörigkeit zur menschlichen Spezies bereits ipso facto das Recht auf volle Menschlichkeit bedeutet, das heißt, auf Verwirklichung des gesamten möglichen menschlichen Potentials. Ein menschliches Wesen zu sein, muß man auch in den Begriffen definieren, ein menschliches Wesen zu werden. In diesem Sinn ist ein Kind nur potentiell ein menschliches Wesen und muß zur Menschlichkeit in der Gesellschaft, Kultur, Familie aufwachsen.

Letztlich wird uns dieser Standpunkt zwingen, die Tatsachen der individuellen Verschiedenheit, wie auch der Zugehörigkeit zu unserer Spezies, weit ernster zu nehmen, als wir es bereits tun. Wir werden lernen müssen, sie in dieser neuen Art und Weise als

1.       sehr plastisch, oberflächlich, leicht veränderbar, leicht vernichtbar, aber deshalb alle Arten subtiler Pathologien erzeugend zu sehen. Das führt zu der delikaten Aufgabe,

2.       das Temperament, die Konstitution, die verborgene Neigung jedes einzelnen aufzudecken, damit er unbehindert in seinem eigenen individuellen Stil wachsen kann.
Diese Haltung erfordert weitaus größere Aufmerksamkeit, als sie Psychologen bisher aufgebracht haben, für die subtilen psychologischen und physiologischen Kosten und Leiden, die durch die Verweigerung der wahren Neigungen jedes einzelnen entstehen, Leiden, die man nicht unbedingt bewußt machen oder von außen sehen kann. Dies bedeutet seinerseits wiederum sorgfältigere Aufmerksamkeit für die operative Bedeutung des "guten Wachstums" auf jeder Altersstufe.

Schließlich muß ich darauf hinweisen, daß wir uns im Prinzip auf die erschütternden Konsequenzen vorbereiten müssen, die sich ergeben, wenn man das Alibi der sozialen Ungerechtigkeit aufgibt. Je mehr wir die soziale Ungerechtigkeit reduzieren, um so mehr finden wir sie durch "biologische Ungerechtigkeit" ersetzt, durch die Tatsache, daß Kinder mit verschiedenen genetischen Potentialen auf die Welt kommen. Wenn wir bis zu dem Punkt gelangen, an dem jedes Kind volle Chancen für alle seine guten Potentiale erhält, dann bedeutet das, auch die schlechten Potenriale zu akzeptieren. Wem sollen wir die Schuld geben, wenn ein Kind mit einem schlechten Herzen, schwachen Nieren oder neurologischen Defekten auf die Welt kommt? Wenn man nur der Natur die Schuld geben kann, was wird dies für die Selbstachtung des einzelnen bedeuten, der von der Natur selbst "unfair" behandelt wurde?

In diesem Kapitel und auch in anderen Schriften habe ich das Konzept der "subjektiven Biologie" eingeführt. Es war für mich ein sehr hilfreiches Instrument, um die Kluft zwischen dem Subjektiven und dem Objektiven, dem Phänomenologischen und dem Verhalten zu überbrücken. Ich hoffe, die Entdeckung, daß man die eigene Biologie introspektiv und subjektiv untersuchen kann und muß, kann für andere hilfreich sein, besonders für die Biologen.

Das Kapitel 9 über Destruktivität habe ich ausgiebig überarbeitet. Ich habe es unter die umfassendere Kategorie der Psychologie des Bösen gestellt, in der Hoffnung, mit dieser sorgfältigen Behandlung eines Aspektes des Bösen aufzuzeigen, daß das ganze Problem empirisch und wissenschaftlich aufgearbeitet werden kann. Es in die Zuständigkeit der empirischen Wissenschaft einzuordnen, bedeutet für mich, daß wir vertrauensvoll ein ständig wachsendes Verständnis dieses Problems erwarten können.
Aggression, wie wir gelernt haben, ist sowohl genetisch wie auch kulturell determiniert. Ich betrachte auch die Unterscheidung zwischen gesunder und ungesunder Aggression als äußerst wichtig.

So wie man Aggression nicht ganz entweder der Gesellschaft oder der inneren menschlichen Natur anlasten kann, so ist es bereits auch klar, daß das Böse im allgemeinen weder ein gesellschaftliches Produkt noch ein psychologisches allein ist. Das mag zu selbstverständlich klingen, als daß man es ausdrücklich erwähnen müßte, aber es gibt heute viele Menschen, die nicht nur an die eine oder andere unhaltbare Theorie glauben, sondern die auch nach ihnen handeln.

Ich habe in Kapitel 10, "Die expressive Komponente des Verhaltens", den Begriff der Apollonischen Kontrollen eingeführt, das heißt, wünschenswerter Kontrollen, die Befriedigung nicht gefährden, sondern sie fördern. Ich betrachte diesen Begriff als besonders wichtig sowohl für die reine psychologische Theorie wie auch für die angewandte Psychologie. Er hat es mir ermöglicht, zwischen (kranker) Impulsivität und (gesunder) Spontaneität zu unterscheiden, eine Unterscheidung, die man heute besonders braucht, insbesondere bei jungen Menschen und vielen anderen, die dazu neigen, jede Kontrolle als notwendig repressiv und böse zu betrachten. Ich hoffe, die Einsicht ist für andere ebenso hilfreich, wie sie es für mich war.

Ich habe mir nicht die Zeit genommen, dieses begriffliche Instrument auf die alten Probleme der Freiheit, Ethik, Politik, Glücklichkeit und ähnliches anzuwenden, aber ich glaube, daß seine Relevanz und Kraft jedem ernsthaften Denker in diesen Bereichen klar sein wird. Der Psychoanalytiker wird bemerken, daß meine Lösung sich in einem gewissen Ausmaß mit Freuds Integration des Lustprinzips und des Realitätsprinzips überschneidet. Die Ähnlichkeiten und Unterschiede zu überdenken, wird, wie ich glaube, eine nützliche Übung für die Theoretiker der Psychodynamik sein.

In Kapitel 11 über die Selbstverwirklichung habe ich eine Quelle der Verwirrung beseitigt, indem ich den Begriff sehr endgültig auf ältere Menschen beschränkt habe. Gemessen mit den Kriterien, die ich verwendet habe, kommt Selbstverwirklichung bei jüngeren Menschen nicht vor. Zumindest in unserer Kultur haben junge Leute

  • noch keine Identität oder Autonomie erreicht,
  • noch haben sie genügend Zeit gehabt, eine dauernde, loyale, nachromantische Beziehung zu erfahren,
  • noch haben sie im allgemeinen ihre Berufung gefunden, den Altar, auf dem sie sich opfern.
  • Sie haben ihr eigenes Wertsystem noch nicht erarbeitet;
  • noch haben sie genügend Erfahrung gehabt (Verantwortung für andere, Tragödie, Versagen, Leistung, Erfolg), um perfektionistische Illusionen abzulegen und realistisch zu werden;
  • noch haben sie im allgemeinen ihren Frieden mit dem Tod geschlossen;
  • sie haben auch nicht gelernt, wie man Geduld aufbringen kann;
  • noch haben sie genug über das Böse in sich und in anderen gelernt, um Mitleid zu haben;
  • noch haben sie Zeit gehabt, postambivalent hinsichtlich der Eltern und der Älteren, der Macht und Autorität zu werden;
  • noch sind sie im allgemeinen kenntnisreich und gebildet genug geworden, als daß sich ihnen die Möglichkeit, weise zu werden, öffnet;
  • noch haben sie im allgemeinen genügend Courage erworben, um unpopulär zu sein, sich nicht dafür zu schämen, geradeheraus tugendhaft zu sein und so weiter.
    Jedenfalls ist es eine bessere psychologische Strategie, den Begriff des reifen, voll menschlichen, selbstverwirklichenden Menschen, in dem die menschlichen Potentialitäten realisiert und aktualisiert wurden, von dem Begriff der Gesundheit auf jeder Altersstufe zu trennen. Dies kann man, wie ich gefunden habe, in "gutes Wachstum zur Selbstverwirklichung" übersetzen, ein ziemlich sinnvoller und erforsehbarer Begriff. Ich habe den Eindruck, daß gesunde junge Männer und Frauen dazu neigen,
  • sich noch immer im Wachsen zu befinden,
  • liebenswert zu sein,
  • frei von Bosheit,
  • insgeheim freundlich und altruistisch (doch nur sehr verschämt),
  • im privaten voller Zuneigung zu jenen unter den Älteren, die es verdienen.

Junge Leute sind ihrer selbst nicht sicher, noch nicht ausgeformt, verlegen wegen ihrer unterlegenen Postition ihresgleichen gegenüber (ihre privaten Meinungen sind "gerader", metamotivierter, das heißt, tugendhafter als im Durchschnitt). Sie sind insgesamt besorgt über die Grausamkeit, Gemeinheit und den Mobgeist, den man so häufig bei jungen Leuten findet, und so weiter.

Natürlich weiß ich nicht, ob sich dieses Syndrom unvermeidlich in jene Selbstverwirklichung auswächst, die ich für ältere Menschen beschrieben habe. Nur Untersuchungen, die sich über entsprechend lange Zeitspannen erstrecken, können dies klarstellen.

Ich habe in meinen Beschreibungen von selbstverwirklichenden Personen erwähnt, daß sie den Nationalismus transzendieren. Ich hätte hinzufügen können, daß sie auch Klassen und Kasten transzendieren. Meine Erfahrung bestätigt das, auch wenn ich erwartet hätte, a priori, daß Wohlstand und soziale Würde imstande sind, Selbstverwirklichung wahrscheinlicher zu machen. Eine andere Frage, die ich in meinem ersten Bericht nicht vorgesehen habe, ist die folgende: Sind selbstverwirklichende Menschen nur imstande, mit "guten" Menschen und in einer guten Welt zu leben? Es ist zurückblickend mein Eindruck, der freilich erst überprüft werden muß, daß selbstverwirklichende Menschen im wesentlichen flexibel sind und sich realistisch an andere Menschen, eine andere Umwelt anpassen können. Ich glaube, daß sie bereit sind, gute Menschen als solche zu behandeln, ebenso wie schlechte.

Eine andere Ergänzung der Beschreibung von selbstverwirklichenden Menschen entstand aus meiner Untersuchung des "Nörgelns" und der weitverbreiteten Tendenz, die bereits erreichten Bedürfnis-Befriedigungen unterzubewerten oder sie sogar abzuwerten und wegzuwerfen. Selbstverwirklichende Menschen sind relativ ausgenommen von dieser tiefen Quelle menschlichen Unglücks. Mit einem Wort, sie sind fähig, "dankbar" zu sein. Die Gesegnetheit ihrer Segnungen bleibt ihnen bewußt. Wunder bleiben Wunder, auch wenn sie immer wieder vorkommen. Das Bewußtsein des unverdienten Glücks, grundloser Gnade garantiert ihnen, daß das Leben wertvoll bleibt und niemals schal wird.

Meine Untersuchung selbstverwirklichender Personen hat gute Ergebnisse gebracht – zu meiner großen Erleichterung, wie ich gestehen muß. Es war schließlich ein ausgesprochenes Glücksspiel, hartnäckig eine intuitive Überzeugung zu verfolgen und im Verlauf des Prozesses einigen der Grundregeln der wissenschaftlichen Methodik und des philosophischen Kritizismus zu trotzen. Es handelte sich schließlich um Regeln, an die ich selbst geglaubt und die ich akzeptiert hatte, und es war mir außerordentlich klar, daß ich mich auf dünnem Eis bewegte. Dementsprechend bewegten sich meine Untersuchungen auf einem Hintergrund von Unbehagen, Konflikt und Selbstzweifel.
Es haben sich in den letzten Jahrzehnten genügend Verifizierungen und Bestätigungen angehäuft (siehe die Bibliographie), um diese Art grundlegenden Alarms überflüssig zu machen. Und doch ist mir bewußt, daß wir mit den grundlegenden methodologischen und theoretischen Problemen noch immer konfrontiert werden. Die Arbeit, die bereits getan wurde, ist nur ein Anfang. Wir sind nunmehr für weitaus objektivere, übereinstimmende und unpersönliche Team-Methoden bereit, um selbstverwirklichende (gesunde, voll-menschlich-autonome) Einzelne für die Untersuchung auszuwählen. Interkulturelle Arbeit ist offensichtlich geboten. Folge-Untersuchungen, von der Wiege bis zum Grab, werden die einzige, wirklich befriedigende Bestätigung ergeben, zumindest meiner Meinung nach. Stichproben der gesamten Bevölkerung sind zusätzlich zur Selektion des Äquivalents olympischer Goldmedaillengewinner notwendig, wie ich sie vorgenommen habe. Doch können wir, wie ich meine, das nicht zu vermindernde menschliche Böse nicht verstehen, bevor wir nicht, mehr in die Tiefe gehend, als ich es getan habe, die "unheilbaren" Sünden und Unzulänglichkeiten der besten menschlichen Wesen erforschen, die wir finden können.

Solche Untersuchungen werden, davon bin ich überzeugt, unsere Wissenschaftsphilosophie ändern, unsere Ethik und Wertphilosophie, unsere Philosophie der Religion, der Arbeit, des Managements und der zwischenmenschlichen Beziehungen, der Gesellschaft und vieles andere auch. Zusätzlich glaube ich, könnten große soziale und erzieherische Änderungen sich fast augenblicklich ergeben, wenn wir zum Beispiel unsere jungen Menschen lehren könnten, ihren unrealistischen Perfektionismus aufzugeben, ihre Forderungen nach perfekten Menschen, perfekter Gesellschaft, perfekten Lehrern, Eltern, Politikern, Ehen, Freunden, Organisationen und so weiter, die alle nicht existieren und einfach nicht existieren können – das heißt, außer in vergänglichen Augenblicken der Grenzerfahrung, des vollkommenen Eins-Werdens und so weiter. Wir wissen bereits, auch aus unserem unzulänglichen Wissensstand heraus, daß solche Erwartungen Illusionen sind und deshalb unvermeidlich und unausweichlich Desillusionierung hervorbringen müssen, gemeinsam mit den Begleiterscheinungen des Ekels, der Wut, der Depression und der Rache. Die Forderung nach "Nirwana jetzt!" ist selbst eine wichtige Quelle des Bösen, meine ich. Wenn man einen perfekten Führer oder eine perfekte Gesellschaft verlangt, gibt man damit die Möglichkeit auf, zwischen besser und schlechter zu wählen. Wenn das Unvollkommene als schlecht definiert wird, dann wird alles schlecht, weil alles unvollkommen ist.
Ich glaube auch, auf der positiven Seite, daß diese große Grenze der Forschung unsere wahrscheinlichste Quelle der Erkenntnis hinsichtlich der Werte darstellt, die der menschlichen Natur angehört. Hier befindet sich das Wertsystem, das Religionsurrogat, die Befriedigung für den Idealismus, die normative Philosophie, die alle menschlichen Wesen zu brauchen scheinen, nach denen sie sich sehnen und ohne die sie gemein und unangenehm, vulgär und trivial werden.

Psychologische Gesundheit wird nicht nur subjektiv als gut empfunden, sie ist auch richtig, wahr, real. In diesem Sinn ist sie "besser" als Krankheit und dieser überlegen. Sie ist nicht nur richtig und wahr, sondern auch klarsichtiger, mehr für Wahrheiten und auch für die höheren Wahrheiten empfänglich. Das heißt, der Mangel an Gesundheit wird nicht nur als schrecklich empfunden, sondern ist auch eine Form der Blindheit, eine kognitive Pathologie, ein moralischer und emotioneller Verlust. Außerdem handelt es sich um eine Art Verkrüppelung, den Verlust der geringeren Fähigkeit, etwas zu tun und zu erreichen.

Gesunde Personen existieren, wenn auch nicht in großer Zahl. Gesundheit mit all ihren Werten – Wahrheit, Güte, Schönheit und so weiter – stellt, weil sie als möglich erwiesen ist, im Prinzip eine erreichbare Realität dar. Für alle, die es vorziehen, zu sehen anstatt blind zu sein, sich gut anstatt sich schlecht zu fühlen, unversehrt anstatt verkrüppelt zu sein, kann die Empfehlung ausgesprochen werden, daß sie nach psychologischer Gesundheit streben mögen. Man erinnert sich an das kleine Mädchen, das, gefragt, warum das Gute besser als das Böse sei, antwortete, "weil es netter ist". Ich glaube, wir können mehr als das tun: Derselbe Gedankengang kann zeigen, daß es "besser" ist in einer "guten Gesellschaft" (einer bürgerlichen, synergischen, vertrauensvollen – Theorie Y) zu leben als in einer Dschungel-Gesellschaft (Theorie X, autoritär, feindlich, Hobbes’isch), sowohl wegen biologischen, medizinischen und darwinistischen Werten, wie auch Wachstumswerten, sowohl subjektiven wie auch objektiven. Dasselbe gilt für eine gute Ehe, eine gute Freundschaft, gute Eltern. Nicht nur sind diese begehrt (bevorzugt, ersehnt), sondern sie sind auch in einem besonderen Sinn "begehrenswert". Ich bin mir darüber im klaren, daß das professionellen Philosophen große Sorgen bereiten kann, aber ich bin zuversichtlich, daß sie damit fertig werden.
Das Wissen darum, daß wunderbare Menschen existieren können und auch existieren – wenn auch in geringer Zahl und auf tönernen Füßen – genügt, um uns Mut, Hoffnung, Stärke für den weiteren Kampf zu geben, Glauben an uns selbst und in unsere Möglichkeiten des Wachstums. Hoffnung für die menschliche Natur, so nüchtern sie auch sein mag, sollte uns auf dem Weg zur Brüderlichkeit und zum Mitleid weiterhelfen.

Ich habe mich entschlossen, das letzte Kapitel der ersten Ausgabe dieses Buches, "Zu einer positiven Psychologie", wegzulassen; was zu 98% im Jahr 1954 wahr war, ist heute in Reichweite, wenn auch nicht in weiten Bereichen. Die humanistische Psychologie, die neuen transzendenten Psychologien, die existentiellen, die Rogerianischen, die Erfahrungs-, Ganzheits- und wertsuchenden Psychologen gedeihen alle und sind alle verfügbar, zumindest in den Vereinigten Staaten, obwohl unglücklicherweise noch nicht in den meisten Psychologiedepartements, so daß der interessierte Student sie suchen muß oder einfach zufällig auf sie stößt. Der Leser, der sich gern selbst überzeugen möchte, hat eine gute Auswahl, glaube ich, in den verschiedenen Schriften von Moustakas, Severin, Bugenthal und Sutich und Vich zur Verfügung. Was Adressen der entsprechenden Schulen, Zeitschriften, Vereinigungen anbelangt, würde ich das Eupsychische System empfehlen, den Anhang meines Buches Psychologie des Seins.

Für unsichere Doktoranden würde ich noch immer das letzte Kapitel der ersten Ausgabe empfehlen, die wahrscheinlich in den meisten Universitatsbibliotheken erhältlich ist. Empfohlen sei auch meine Psychology of Science aus denselben Gründen. Für alle, die bereit sind, diese Fragen ernst genug zu nehmen, um hart an ihrer Beantwortung zu arbeiten, gibt es das größte Buch auf diesem Felde, Polanyis Personal Knowledge.

Diese überarbeitete Ausgabe ist ein Beispiel der immer stärkeren Ablehnung der traditionell wertfreien Wissenschaft – oder vielmehr der vergeblichen Anstrengung, eine wertfreie Wissenschaft zu besitzen. Die neue Ausgabe ist normativer als die alte, vertrauensvoller in der Bejahung einer Wissenschaft, die ein wertorientiertes Unternehmen wertorientierter Wissenschaftler ist, die ihrerseits, wie ich behaupte, wesentliche und definitive und speziesweite Werte in der Struktur der menschlichen Natur selbst entdecken können.

Manchen wird das wie ein Angriff auf die Wissenschaft vorkommen, die sie lieben und verehren, so wie ich es auch tue. Ich weiß, daß ihre Angst manchmal wohlbegründet ist. Es gibt viele, besonders in den Gesellschaftswissenschaften, die im totalen politischen Engagement (per definitionem also im Mangel an Informiertheit) die einzige vorstellbare Alternative zur wertfreien Wissenschaft sehen und meinen, beides schließe einander aus. Sich dem einen zuzuwenden bedeutet für sie notwendigerweise die Ablehnung des anderen.

Daß diese Zweiteilung unreif ist, wird sofort von der einfachen Tatsache bestätigt, daß man korrekte Information auch dann bekommen sollte, wenn man gegen einen Feind kämpft, auch dann, wenn man zugegebenermaßen ein Politiker ist.

Doch über diese sich selbst vereitelnde Narretei hinaus, und indem wir uns dieser sehr ernsten Aufgabe auf der höchstmöglichen Ebene zuwenden, kann man, glaube ich, zeigen, daß der normative Eifer (Gutes zu tun, der Menschheit helfen, die Welt verbessern) vereinbar ist mit wissenschaftlicher Objektivität und sogar zu einer besseren, wirksameren Wissenschaft führen könnte, mit einem weit größeren Zuständigkeitsbereich als jetzt, wo sie bemüht ist, wertfrei zu sein (und es zuläßt, daß Werte willkürlich von Naturwissenschaftlern aus nicht-empirischen Gründen aufgestellt werden). Man kann das einfach erreichen, indem man die Konzeption der Objektivität erweitert, so daß sie nicht nur "Zuschauer-Wissen" (laissez-faire, unengagiertes Wissen, Wissen von außerhalb) einbezieht, sondern auch Erfahrungswissen und das, was ich als Wissen aus Liebe oder Taoistisches Wissen bezeichnen möchte.

Das einfache Modell taoistischer Objektivität stammt aus der Phänomenologie desinteressierter Liebe und Bewunderung für das Wesen des anderen (S-Liebe). Zum Beispiel kann Liebe zum Kind, zum Freund, zum Beruf, oder sogar zum eigenen "Problem" oder Wissenschaftsbereich so vollständig und akzeptierend sein, daß sie unaufdringlich, nichteinmischend wird, das heißt, daß sie die Dinge nimmt, wie sie sind und wie sie sein werden, ohne jeden Impuls, sie zu ändern oder zu verbessern. Es bedarf großer Liebe dazu, imstande zu sein, etwas in Ruhe zu lassen, es sein und werden zu lassen. Man kann so das eigene Kind rein lieben und es werden lassen, was zu werden in ihm steckt. Doch – und dies ist die Spitze meines Arguments – kann man auch die Wahrheit in derselben Weise lieben. Man kann sie genügend lieben, um auch Vertrauen zu ihrem Werden zu haben. Es ist möglich, das Kind noch vor seiner Geburt zu lieben, und mit angehaltenem Atem und großem Glück zu warten, was für eine Art Person es wird, und dann diese künftige Person zu lieben. A priori-Pläne, Ehrgeiz für das Kind, vorbereitete Rollen, sogar Hoffnung, daß es dies oder jenes werde – das alles ist nicht-taoistisch. Es stellt Forderungen an das Kind dar, daß es werden sollte. Solch ein Kind kommt in einer unsichtbaren Zwangsjacke auf die Welt.

Ähnlich ist es möglich, die Wahrheit zu lieben, die sich erst einstellen wird, ihr zu vertrauen, glücklich zu sein und voller Bewunderung darüber, wie sich ihr Wesen enthüllt. Man kann glauben, daß die unbefleckte, unmanipulierte, ungezwungene, unverlangte Wahrheit schöner, reiner, wahrer sein wird, als dieselbe Wahrheit gewesen wäre, wenn wir sie zur Übereinstimmung mit a-priori-Erwartungen oder Hoffnungen oder Plänen oder den laufenden politischen Bedürfnissen gezwungen hätten. Wahrheit kann ebenfalls in "unsichtbarer Zwangsjacke" auf die Welt kommen.

Normativer Eifer kann falsch verstanden werden und kann die künftige Wahrheit mit a-priori-Forderungen verzerren. Ich fürchte, daß einige Wissenschaftler gerade dies tun, im Endeffekt die Wissenschaft zugunsten von Politik aufgeben. Doch dies ist keineswegs eine Notwendigkeit für den mehr taoistischen Wissenschaftler, der die künftige Wahrheit genügend lieben kann, um anzunehmen, daß sie sich zum besten wendet, und sie aus diesem Grund sein läßt, gerade wegen seines normativen Eifers.

Ich glaube auch, je reiner die Wahrheit und je weniger sie vergiftet ist von doktrinären Wissenschaftlern, die ihre Entschlüsse schon vorher gefaßt haben, um so besser wird es um die Zukunft der Menschheit bestellt sein. Ich vertraue darauf, daß die Welt mehr von der Wahrheit der Zukunft profitieren wird als von den politischen Überzeugungen, die ich heute habe. Ich vertraue darauf, was erst bekannt wird, mehr als ich meinem gegenwärtigen Wissen vertraue.

Das ist die humanistisch-wissenschaftliche Version von "Nicht mein Wille geschehe, sondern der Deine". Meine Befürchtungen und Hoffnungen für die Menschheit, mein Eifer, Gutes zu tun, meine Sehnsucht nach Frieden und Brüderlichkeit, mein normativer Eifer – für all das, glaube ich, ist es besser, wenn ich bescheiden bleibe und offen für die Wahrheit, objektiv und desinteressiert im taoistischen Sinn, indem ich es ablehne, Vorurteile zu haben oder es mit der Wahrheit nicht genau zu nehmen, und wenn ich weiterhin darauf vertraue, daß ich umso besser helfen kann, je mehr ich weiß.

An vielen Punkten in diesem Buch und in vielen Veröffentlichungen seitdem habe ich angenommen, daß die Verwirklichung der realen Potentialitäten einer Person bedingt ist durch die Anwesenheit von Grundbedürfnissen, befriedigenden Eltern und anderen Menschen, von all den Faktoren also, die man jetzt "ökologisch" nennt, von der "Gesundheit" der Kultur oder dem Mangel daran, von der Weltsituation, und so weiter, die das Wachstum in Richtung der Selbstverwirklichung und "Voll-Menschlichkeit" ermöglichen. Diese physikalischen, chemischen, biologischen, zwischenpersönlichen, kulturellen Bedingungen sind für den einzelnen in dem Ausmaß relevant, in dem sie ihn mit den grundlegenden menschlichen Notwendigkeiten und "Rechten" versorgen oder nicht; diese erlauben es ihm dann, stark genug und Persönlichkeit genug zu werden, um das eigene Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Während man diese Voraussetzungen untersucht, wird man traurig über die Leichtigkeit, mit der menschliches Potential vernichtet oder unterdrückt werden kann. Eine vollmenschliche Person erscheint dann wie ein Wunder, als ein so unwahrscheinliches Ereignis, daß es schon ehrfurchterregend ist. Und gleichzeitig wird man durch die Tatsache ermuntert, daß selbstverwirklichende Personen tatsächlich existieren, daß sie daher möglich sind, daß der Hürdenlauf der Gefahren bewältigt werden, daß die Ziellinie überquert werden kann.
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Wissenschaft und menschliche Werte

Wissenschaft beruht auf menschlichen Werten und ist selbst ein Wertsystem. Die emotionalen, kognitiven, expressiven und ästhetischen Bedürfnisse des Menschen sind die Ursprünge der Wissenschaft und geben ihr ihre Ziele. Die Befriedigung jedes dieser Bedürfnisse ist ein "Wert". Das gilt für die Liebe der Sicherheit wie auch für die Wahrheits- oder Gewißheitsliebe. Die ästhetische Befriedigung aus Bündigkeit, Sparsamkeit, Eleganz, Einfachheit, Genauigkeit, Sauberkeit stellen Werte für den Mathematiker und den Wissenschaftler wie auch für den Handwerker, Künstler oder Philosophen dar. Hierin handelt es sich um etwas ganz anderes als um die Tatsache, daß wir als Wissenschaftler die Grundwerte unserer Kultur gemeinsam haben und wahrscheinlich immer haben werden, zumindest in einigem Ausmaß, zum Beispiel also

  • Ehrlichkeit,
  • humanitäre Gesinnung,
  • Achtung für den einzelnen,
  • Sozialdienst,
  • demokratischer Respekt für die Rechte des einzelnen, eigene Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie falsch sind,
  • die Bewahrung von Leben und Gesundheit,
  • die Befreiung von Schmerz,
  • Vertrauen schenken, wo Vertrauen gefordert wird, Vertrauen teilen,
  • "fair" sein und sportlich sein, und so fort.

Offenkundig sind "Objektivität" und "desengagierte Beobachtungen" Phrasen, die der Neudefinierung bedürfen. "Werte ausschließen" bedeutete ursprünglich, theologische und andere autoritäre Dogmen auszuschließen, die sich den Tatsachen gegenüber als Vorurteile erweisen. Diese Ausschließung ist heute ebenso notwendig, wie sie es zur Zeit der Renaissance war, da wir uns die Tatsachen noch immer so verfälscht wünschen wie möglich. Wenn die organisierte Religion heute nur eine schwache Bedrohung der Wissenschaft in unserem Land darstellt, haben wir dennoch starke politische und ökonomische Dogmen, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen.

Werte verstehen

Die einzige Art und Weise jedoch, die wir kennen, um die Vefälschung unserer Wahrnehmung der Natur, der Gesellschaft oder unserer selbst durch menschliche Werte zu vermeiden ist, sich dieser Werte ständig und immer bewußt zu sein, ihren Einfluß auf die Wahrnehmung zu verstehen und mit Hilfe solchen Verstehens die notwendigen Korrekturen vorzunehmen.

(Mit Verfälschung meine ich die Vermischung psychischer Determinanten und Realitätsdeterminanten, wenn es die letzteren sind, die wir wahrzunehmen trachten.) Die Erforschung von Werten, Bedürfnissen und Wünschen, Neigungen, Ängsten, Interessen und Neurosen muß zu einem grundlegenden Aspekt aller wissenschaftlichen Forschungstätigkeit werden.

Eine solche Feststellung muß auch die sehr allgemeinen Tendenzen aller menschlichen Wesen enthalten, zu abstrahieren, zu klassifizieren, Ähnlichkeiten und Unterschiede zu sehen und generell sich mit selektiver Aufmerksamkeit der Wirklichkeit zuzuwenden und sie in Übereinstimmung mit menschlichen Interessen, Bedürfnissen, Wünschen und Ängsten immer wieder neu zu arrangieren. Unsere Wahrnehmungen verschiedenen Rubriken zuzuordnen ("zu rubrizieren"), ist auf diese Art und Weise wünschenswert und in einiger Hinsicht nützlich, in anderer wiederum unerwünscht und schädlich, denn wenn dies auch einige Aspekte der Realität schärfer hervortreten läßt, stellt es gleichzeitig andere in den Schatten. Wir müssen verstehen, daß uns zwar die Natur manchmal Hinweise auf Klassifikationsmöglichkeiten gibt und daß sie manchmal "natürliche" Trennungslinien aufweist, aber daß solche Hinweise oft nur minimal und vieldeutig sind. Oft müssen wir Klassifikationen erst erschaffen und sie der Natur aufzwingen. Das tun wir nicht nur in Übereinstimmung mit den Hinweisen der Natur, sondern auch mit unserer eigenen menschlichen Natur, unseren unbewußten Werten, Neigungen und Interessen. Zwar ist es das Ideal der Wissenschaft, diese menschlichen Determinanten der Theorie auf ein Minimum zu reduzieren, aber man wird es nie erreichen, wenn man ihren Einfluß verneint, sondern nur, wenn man ihn gut genug kennt.

Es sollte den besorgten reinen Wissenschaftler beruhigen, daß es der Zweck all dieses beunruhigenden Geredes über Werte ist, sein Ziel effizienter zu erreichen, das heißt, unsere Kenntnis der Natur zu verbessern, unsere Kenntnis des Bekannten durch die Erforschung des Erkennenden zu läutern.

Menschliche und nichtmenschliche Gesetze

Die Gesetze der menschlichen Psychologie und der nichtmenschlichen Natur sind in einiger Hinsicht die gleichen, aber in anderer vollkommen verschieden. Die Tatsache, daß Menschen in der Naturwelt leben, bedeutet nicht, daß die Regeln und Gesetze die gleichen sein müssen. Das menschliche Wesen, das in der realen Welt lebt, muß sicherlich einige Zugeständnisse an sie machen, aber das bedeutet an sich noch nicht die Negation der Tatsache, daß das menschliche Wesen eigene Gesetze hat, die nicht diejenigen der natürlichen Realität sind. Wünsche, Ängste, Träume, Hoffnungen, sie alle verhalten sich verschieden von Kieseln, Drähten, Temperaturen oder Atomen. Philosophie kann nicht in derselben Art und Weise konstruiert werden wie eine Brücke. Familien und Kristalle muß man auf verschiedene Art und Weise untersuchen. Unser ganzes Gerede über Motive und Werte beinhaltet nicht den Wunsch, die nichtmenschliche Natur zu subjektivieren oder zu psychologisieren, aber selbstverständlich müssen wir eines psychologisieren – die menschliche Natur.

Die nichtmenschliche Wirklichkeit ist unabhängig von den Wünschen und Bedürfnissen der menschlichen Natur, da sie weder wohlwollend noch übelwollend ist, keine Zwecke, Ziele, Funktionen hat (nur lebende Wesen haben Zwecke), keine begehrlichen oder affektiven Tendenzen. Dies ist die Wirklichkeit, die auch weiterbestehen würde, wenn alle menschlichen Wesen verschwänden – keineswegs ein unmögliches Ereignis.

Diese Realität so zu kennen, wie sie ist, und nicht, wie wir sie haben möchten, ist von jedem Standpunkt aus wünschenswert, entweder vom Standpunkt der "reinen", unengagierten Neugier oder vom Standpunkt des Interesses am Voraussagen und Kontrollieren der Realität für unmittelbar menschliche Zwecke. Kant hatte sicherlich recht, wenn er behauptete, daß wir niemals die nichtmenschliche Realität voll erkennen können, doch es ist möglich, ihr näher zu kommen, sie mehr oder auch minder richtig zu erkennen.

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Die verschiedenen Verfahren, Wirklichkeit zu erkennen

Wissenschaft ist nur ein Mittel, um Zugang zur Erkenntnis der natürlichen, gesellschaftlichen und psychologischen Realität zu erhalten. Der kreative Künstler, der Philosoph, der literarische Humanist oder auch der Straßenarbeiter können ebenfalls Wahrheit entdecken und sollten dazu ebenso stark wie der Wissenschaftler ermuntert werden.* Man sollte sie nicht als sich gegenseitig ausschließend oder sogar notwendig verschieden voneinander betrachten. Der Wissenschaftler, der auch etwas von einem Dichter, einem Philosophen, ja sogar einem Träumer hat, ist sicherlich eine bessere Version seiner mehr eingeengten Kollegen.

* Vielleicht kann der Hauptunterschied heute zwischen dem idealisierten Künstler und dem idealisierten Wissenschaftler folgendermaßen formuliert werden: Ersterer ist für gewöhnlich ein Spezialist in der Erkenntnis oder Entdeckung des Idiographischen (des Einzigartigen, Idiosynkratischen, Individuellen), während letzterer ein Spezialist im Nornothetischen ist (das Verallgemeinerte, das Abstrakte). Zweitens steht der Künstler dem Wissenschaftler näher als Problem-Entdecker, als Fragesteller oder Hypothesenerfinder, als dem Wissenschaftler als Problemlöser, Überprüfer und einem, der Gewißheit verschafft. Diese letzteren Funktionen sind gewöhnlich ausschließlich "Verantwortlichkeit des Wissenschaftlers". In dieser Hinsicht ist er mehr wie ein Geschäftsmann oder ein Athlet oder Arzt, indem er behandelt, was überprüfbar und verifizierbar ist. Es gibt Ergebnisse, von denen seine Behauptungen beurteilt werden können. Wenn jemand Fahrräder erzeugen soll, dann kann man seine Leistung in Fahrrädern messen. Doch Lehrer, Künstler, Professoren, Therapeuten, Geistliche können dieselben Fehler vierzig Jahre lang begehen, nichts erreichen, und sich noch immer tugendhaft und effektiv fühlen. Das klassische Beispiel ist der Therapeut, der sein ganzes Leben lang denselben Fehler begangen und dies dann "reiche klinische Erfahrung" genannt hat.

Wenn wir uns von diesem psychologischen Pluralismus leiten lassen und uns die Wissenschaft als Orchestrierung verschiedener Talente, Motive und Interessen denken, verschwimmt die Trennlinie zwischen dem Wissenschaftler und dem Nichtwissenschaftler. Der Wissenschaftstheoretiker, der sich mit der Kritik und Analyse der Begriffe der Wissenschaft beschäftigt, steht sicherlich dem Wissenschaftler, der auch an reiner Theorie interessiert ist, näher als letzterer dem rein technologischen Wissenschaftler. Der Wissenschaftshistoriker kann entweder Historiker oder Wissenschaftler sein, es spielt keine Rolle, was von beidem er ist. Der klinische Psychologe oder der Arzt, der den individuellen Fall sorgfältig untersucht, mag mehr Anregung vom Romancier erhalten haben als von seinen abstrahierenden, experimentierenden Kollegen.

Ich sehe keine Möglichkeit, Wissenschaftler von Nichtwissenschaftlern säuberlich zu trennen. Man kann nicht einmal experimentelles Forschen als Kriterium verwenden, weil so viele Menschen, die auf der Gehaltsliste als Wissenschaftler ausgewiesen werden, niemals ein wirkliches Experiment getätigt haben und auch nie eines tätigen werden. Wer Chemie in einem College lehrt, betrachtet sich als Chemiker, auch wenn er nie etwas Neues in der Chemie entdeckt hat, sondern einfach nur die Chemiezeitschriften gelesen und die Experimente anderer wie nach einem Kochbuch wiederholt hat. Er ist weniger Wissenschaftler als ein aufgeweckter Zwölfjähriger, der im Keller systematisch seiner Neugier nachgeht, oder die skeptische Hausfrau, die die zweifelhaften Behauptungen der Werbeagenturen überprüft. In welcher Hinsicht bleibt der Präsident eines Forschungsinstitutes ein Wissenschaftler? Seine Zeit mag bis zu seinem Tod vollständig mit administrativen und organisatorischen Aufgaben ausgefüllt sein. Und doch wird er Wert darauf legen, sich Wissenschaftler zu nennen.

Wenn der ideale Wissenschaftler in sich den kreativen Hypothesensteller, den sorgfältigen Experimente-Überprüfer, den philosophischen Systemerbauer, den Historiker, den Technologen, den Organisator, den Erzieher-Schriftsteller-Publizisten, den Anwender und den Einschätzer kombiniert, dann können wir leicht erkennen, daß das ideale Forschungsteam aus zumindest individuellen Spezialisten in allen diesen Funktionen zusammengesetzt sein wird, von denen kein einziger ein Wissenschaftler im vollen Sinn des Begriffs sein muß!

Aber während dies bedeutet, daß die Wissenschaftler-Nichtwissenschaftler-Dichotomie zu einfach ist, müssen wir auch in Betracht ziehen, daß derjenige, der sich zu stark überspezialisiert, auf längere Sicht wenig taugt, weil er als ein ganzes menschliches Wesen Schaden erleidet. Die generalisierte, abgerundete und gesunde Persönlichkeit wird die meisten Dinge besser bewältigen als das generalisierte, verkrüppelte menschliche Wesen, das heißt jene Person, die versucht, ein zu reiner Denker zu sein. Indem sie ihre Impulse und Emotionen unterdrückt, erweist sie sich paradoxerweise als ein kranker Mensch, der nur in einer kranken Art und Weise denken kann, das heißt, er wird zu einem schlechten Denker. Mit einem Wort, wir können mit Recht erwarten, daß der Wissenschaftler, der auch ein wenig ein Künstler ist, ein besserer Wissenschaftler ist als sein Kollege, der nicht auch ein bißchen von einem Künstler hat. Wenn wir die Methode der Fallgeschichte anwenden, wird das sehr deutlich. Die großen Gestalten der Wissenschaft haben für gewöhnlich weite Interessen und waren sicherlich nicht engstirnige Technologen. Von Aristoteles bis zu Einstein, von Leonardo bis zu Freud waren die großen Entdecker wendig und vielseitig, mit humanistischen, philosophischen, sozialen und ästhetischen Interessen.

Wir müssen daraus schließen, daß uns der psychologische Pluralismus in der Wissenschaft lehrt, daß es viele Wege zur Erkenntnis und Wahrheit gibt. Sowohl der kreative Künstler als auch der Philosoph und der literarische Humanist können, entweder als einzelne oder als Aspekte innerhalb des einzelnen, ebenfalls Wahrheit entdecken.

Die Psychopathologie und der Wissenschaftler

Wenn alles andere gleich ist, werden wir erwarten können, daß der Wissenschaftler (oder Künstler, Ingenieur, Manager), der glücklich, sicher, heiter und gesund ist, ein besserer Wissenschaftler (Künstler, Ingenieur oder Manager) ist, als wenn er unglücklich, unsicher, gestört und ungesund wäre. Die neurotische Persönlichkeit verzerrt die Realität, stellt an sie Ansprüche, zwingt ihr verfrühte Begriffsbildungen auf, fürchtet sich vor dem Unbekannten und vor dem Neuen, wird zu stark von ihren intrapersonalen Bedürfnissen dominiert, um einen guten Realitätsbericht geben zu können, ist zu leicht verängstigt, zu begierig nach der Billigung durch andere Menschen und so weiter.
Aus dieser Tatsache ergeben sich zumindest drei Folgerungen: Erstens sollte der Wissenschaftler (oder besser, der Wahrheitssuchende im allgemeinen) psychologisch gesund sein, um die bestmögliche Arbeit zu leisten. Zweitens kann erwartet werden, daß mit der Besserung der Kultur und damit auch der Besserung in der Gesundheit aller ihrer Bürger, die Wahrheitssuche Fortschritte macht; und drittens sollten wir erwarten, daß Psychotherapie dem einzelnen Wissenschaftler in seiner individuellen Funktion helfen würde.

Wir erkennen es bereits als eine Tatsache an, daß bessere gesellschaftliche Bedingungen dem Erkenntnissuchenden behilflich sind, wenn wir mehr akademische Freiheit, lebenslange Professuren, bessere Gehälter und anderes mehr fordern.*

* Für alle jene Leser, die erkannt haben, daß dies eine revolutionäre Feststellung ist, und die die Verpflichtung fühlen, mehr darüber zu lesen, würde ich empfehlen, sich durch das große Buch auf diesem Gebiet durchzukämpfen: Michael Polanyis Personal Knowledge. Wenn Sie dieses Buch nicht studiert haben, können Sie es nicht wagen, sich als vorbereitet auf das nächste Jahrhundert zu betrachten. Wenn Sie nicht die Zeit, die Entschlossenheit oder die Kraft für diesen Riesen eines Buches aufbringen können, dann empfehle ich meine Psychology of Science: A Reconnaissance, die den Vorzug hat, kurz und lesbar zu sein und dabei die gleichen Feststellungen zu treffen. Dieses Kapitel, diese beiden Bücher und die anderen, in deren Bibliographien erwähnten, repräsentieren gut genug den neuen humanistischen Zeitgeist, wie er von der Wissenschaft reflektiert wird.

Überbetonung der Technik

Unvermeidlicherweise hat die Betonung von Eleganz, Schliff, Technik und Apparat häufig die Folge, daß Bedeutung, Vitalität und Signifikanz des Problems und der Kreativität im allgemeinen heruntergespielt werden. Fast jeder Doktorand der Psychologie wird verstehen, was dies in der Praxis bedeutet. Ein methodologisch zufriedenstellendes Experiment, ob es nun trivial ist oder nicht, wird selten kritisiert. Ein kühnes, bahnbrechendes Problem wird, weil es ein "Versager" sein könnte, oft zu Tode kritisiert, bevor es überhaupt begonnen wird. Tatsächlich scheint Kritik in der wissenschaftlichen Literatur häufig nur Kritik der Methoden, Technik, Logik und so weiter zu bedeuten. Ich kann mich nicht erinnern, in der Literatur, mit der ich vertraut bin, irgendeine Abhandlung bemerkt zu haben, in der eine andere als unwichtig, trivial oder folgenlos kritisiert wurde.* Die Tendenz verstärkt sich, zu behaupten, daß das Dissertationsproblem selbst keine Rolle spielt – wenn die Dissertation nur gut gemacht ist. Mit einem Wort, sie muß nicht mehr ein Beitrag zur Erkenntnis sein. Vom Dr. phil.-Kandidat wird verlangt, daß er die Techniken auf seinem Gebiet kennt und die darin bereits angesammelten Ergebnisse. Normalerweise wird gar nicht betont, daß gute Forschungsideen ebenfalls erwünscht sind. In der Folge ist es auch für vollständig und deutlich unkreative Menschen möglich, Wissenschaftler zu werden.

* "Doch sogar die Gelehrten arbeiteten meistens an großen Monographien über kleine Themen. Sie nannten das Grundlagenforschung. Was zählte, war, daß die Tatsachen, die sie fanden, zuvor nicht bekannt gewesen waren, nicht daß es dafür stand, sie zu kennen. Irgendein anderer Fachmann würde früher oder später auf sie zurückkommen. Die Spezialisten an allen Universitäten schrieben einer für den anderen, mit der Geduld von Sandkastenbauern, für mysteriöse Zwecke." (Van Doren, C., Three Worlds, Harper & Row, 1936, S. 107.)

Auf einer niedrigeren Ebene – im Wissenschaftsunterricht auf der Mittelstufe – kann man ähnliches beobachten. Der Student wird ermuntert, Wissenschaft mit der Bedienung der Apparate zu identifizieren und mit auswendig aus einem Kochbuch gelernten Verfahren – mit einem Wort, mit der Befolgung der Anweisungen anderer Menschen und der Wiederholung dessen, was andere bereits entdeckt haben. Nirgendwo wird ihm beigebracht, daß sich ein Wissenschaftler von einem Techniker oder dem Leser von Büchern über Wissenschaft unterscheidet.

Man kann leicht den Zweck dieser Behauptungen mißverstehen. Ich möchte nicht das Problem der Methodik herunterspielen; ich möchte nur zeigen, daß sogar in der Wissenschaft die Mittel mit den Zielen verwechselt werden können. Nur die Ziele und Zwecke der Wissenschaft geben ihren Methoden Würde und Gültigkeit. Der arbeitende Wissenschaftler muß sich selbstverständlich mit seiner Technik befassen, aber nur, weil sie ihm helfen kann, seine eigentlichen Ziele zu erreichen, das heißt, die Beantwortung wichtiger Fragen. Wenn er dies einmal vergißt, ist er wie der Mann, von dem Freud erzählt: Er verbrachte seine ganze Zeit damit, seine Brille zu polieren, anstatt sie aufzusetzen und mit ihr zu sehen.

Die Konzentration auf die Mittel zielt darauf ab, Techniker und die "Apparate-Menschen" in die Spitzenpositionen der Wissenschaft zu bringen, anstatt die "Fragesteller" und die Problemlöser. Auch ohne eine extreme und unrealistische Diochotomie schaffen zu wollen, ist es möglich, auf den Unterschied zwischen jenen hinzuweisen, die nur wissen, wie man etwas macht, und jenen, die auch wissen, was es zu tun gibt. Die ersteren, von denen es immer eine Mehrzahl gibt, neigen unvermeidlich dazu, in der Wissenschaft eine Priesterkaste zu bilden, Autoritäten hinsichtlich des Protokolls, des Verfahrens und sozusagen des Rituals und Zeremoniells zu werden. Während in der Vergangenheit solche Menschen nichts weiter als ein Ärgernis waren, können sie nunmehr, da die Wissenschaft eine Angelegenheit der nationalen und internationalen Politik geworden ist, eine aktive Gefahr darstellen. Die Tendenz ist doppelt gefährlich, weil Laien die Manipulatoren weit leichter verstehen als die Schöpfer und Theoretiker.

Die Konzentration auf Mittel führt, ohne Unterschiede zu machen und als Selbstzweck, zur Überbewertung der Quantifizierung. Das muß so sein, weil die mittelorientierte Wissenschaft mehr Betonung darauf legt, wie die Feststellungen getroffen werden, als darauf, was gesagt wird. Eleganz und Präzision werden dann der Eignung und den möglichen Implikationen gegenübergestellt.

Auf Mittel, nicht auf den Zweck konzentrierte Wissenschaftler neigen trotz ihrer selbst dazu, ihre Probleme ihren Techniken anzupassen anstatt umgekehrt. Ihre Anfangsfrage ist meistens: "Welche Fragen kann ich mit den Verfahren und der Ausrüstung angehen, die gerade jetzt zu meiner Verfügung stehen?" und nicht, wie es sein sollte: "Was sind die dringendsten und wichtigsten Probleme, auf die ich meine Zeit verwenden sollte?" Wie sonst kann man die Tatsache erklären, daß die meisten Durchschnittswissenschaftler ihr Leben in einem kleinen Bereich verbringen, dessen Grenzen nicht von einer Grundfrage nach der Welt, sondern von den Beschränkungen eines Apparats oder einer Technik bestimmt werden?"* In der Psychologie findet man nichts Witziges am Begriff eines "Tierpsychologen" oder eines "statistischen Psychologen", das heißt also, an Personen, denen es nichts ausmacht, an irgendeinem Problem zu arbeiten, solange sie ihre Tiere beziehungsweise ihre Statistik verwenden können. In letzter Instanz muß uns das an den berühmten Betrunkenen erinnern, der nach seiner Brieftasche sucht, nicht dort, wo er sie verloren hat, sondern unter einer Straßenlampe, "weil das Licht dort besser ist", oder an den Arzt, der bei allen seinen Patienten Anfälle produzierte, weil es die einzige Krankheit war, die er zu kurieren verstand.

* "Wir neigen dazu, Dinge zu tun, die wir bereits beherrschen, anstatt die Dinge zu tun, die wir tun sollten." (Anshen, R., Hsgb., Science and Man, Harcourt, Brace & World, 1942, S. 466.)

Die Konzentration auf die Mittel läuft auf die Tendenz hinaus, eine Hierarchie der Wissenschaften zu schaffen, in der, ziemlich schädlich, die Physik fiir "wissenschaftlicher" gehalten wird als die Biologie, die Biologie für wissenschaftlicher als die Psychologie und die Psychologie für wissenschaftlicher als die Soziologie. Solch eine Annahme hierarchischer Gliederung ist nur auf der Grundlage von Eleganz, Erfolg und Verfahrensgenauigkeit möglich. Vom Standpunkt einer problemorientierten Wissenschaft würde niemals eine solche Hierarchie vorgeschlagen, denn wer könnte schon behaupten, daß Fragen über Arbeitslosigkeit, Rassenvorurteile, Liebe in irgendeiner immanenten Art und Weise weniger wichtig sind als Fragen über Sterne, oder Sodium oder Nierenfunktionen?

Die Konzentration auf die Mittel läuft auf die Tendenz hinaus, die Wissenschaften zu stark in Fächer einzuteilen, Mauern zu errichten, die sie in getrennte Territorien aufteilen. Jacques Loeb antwortete auf die Frage, ob er ein Neurologe, ein Chemiker, ein Physiker, ein Psychologe oder ein Philosoph sei, nur, "ich löse Probleme". Sicherlich sollte dies die üblichere Antwort sein. Und es wäre gut für die Wissenschaft, wenn sie mehr solche Persönlichkeiten besäße wie Jacques Loeb. Doch solche Desiderata werden offensichtlich von einer Philosophie unterdrückt, die aus dem Wissenschaftler einen Techniker und Experten macht, anstatt einen unternehmungslustigen Wahrheitssucher, ihn in jemanden verwandelt, der Bescheid weiß, mehr als in jemanden, der sich den Kopf zerbricht.

Wenn sich Wissenschaftler als Fragesteller und Problemlöser betrachteten, und nicht als spezialisierte Techniker, gäbe es einen Sturm auf die neuesten Grenzen der Wissenschaft, auf die psychologischen und sozialen Probleme, über die wir am wenigsten wissen und am meisten wissen sollten. Warum gibt es so wenig Verkehr über die Fachgebietsgrenzen hinweg? Wie kann es geschehen, daß hundert Wissenschaftler, die sich mit physikalischen oder chemischen Forschungen beschäftigen, auf ein Dutzend kommen, die sich den psychologischen Problemen widmen? Was wäre besser für die Menschheit, tausende kluge Geister auf die Produktion besserer Bomben (oder sogar besseren Penizillins) anzusetzen oder auf die Probleme des Nationalismus oder der Psychotherapie oder der Ausbeutung?

Die Konzentration auf die Mittel in der Wissenschaft läuft hinaus auf eine zu große Kluft zwischen Wissenschaftlern und anderen Wahrheitssuchenden und zwischen ihren verschiedenen Methoden, nch Wahrheit und Verstehen zu suchen. Wenn wir Wissenschaft als die Suche nach Wahrheit, Einsicht und Verstehen definieren, werden wir uns schwer tun, zwischen Wissenschaftlern einerseits und Dichtern, Künstlern und Philosophen andererseits zu unterscheiden. Ihre eingestandenen Probleme werden die gleichen sein. In letzter Instanz freilich sollte man eine semantisch ehrliche Unterscheidung treffen, und man muß zugeben, daß dies meistens auf der Grundlage der Verschiedenheit der Methoden und der Techniken, sich vor Fehlern zu bewahren, geschehen sollte.* Und doch wäre es offensichtlich besser für die Wissenschaft, wenn die Kluft zwischen Wissenschaftler und Dichter und Philosoph weniger abgrundtief wäre als sie es heute ist. Die Konzentration auf die Mittel stellt sie einfach in ganz verschiedene Bereiche, die Konzentration auf Probleme würde helfen, sie als wechselseitig hilfreiche Menschen, die zusammenarbeiten, zu betrachten. Die Biographien der meisten großen Wissenschaftler zeigen, daß letzteres der Wahrheit näherkommt als das erstere. Viele der größten Wissenschaftler waren selbst auch Künstler und Philosophen und haben oft ebenso viel Unterstützung von Philosophen bezogen wie von ihren wissenschaftlichen Kollegen.

* "Du mußt die Fragen selbst lieben" – Rilke. "Wir haben alle Antworten gelernt, alle die Antworten: Es sind die Fragen, die wir nicht kennen." (A. MacLeish, The Hamlet of A. MacLeish, Houghton Mifflin.)

Die Konzentration auf Mittel und die wissenschaftliche Orthodoxie

Die Konzentration auf die Mittel erzeugt unvermeidlich eine wissenschaftliche Orthodoxie, die ihrerseits wiederum eine Heterodoxie hervorbringt. Fragen und Probleme in der Wissenschaft können selten formuliert, klassifiziert oder in ein Ablagesystem eingeordnet werden. Die Fragen der Vergangenheit sind nicht länger Fragen, sondern Antworten. Die Fragen der Zukunft existieren noch nicht. Aber es ist möglich, die Methoden und Techniken der Vergangenheit zu formulieren und klassifizieren. Diese werden dann als "Gesetze der wissenschaftlichen Methodik" bezeichnet. Kanonisiert, von Tradition, Loyalität und Geschichte verkrustet, tendieren sie dazu, verbindlich bis auf den heutigen Tag zu bleiben (anstatt nur Hilfe und Möglichkeiten anzubieten). In den Händen der weniger Kreativen, Furchtsamen, Konventionellen werden diese "Gesetze" buchstäblich zu einer Aufforderung, unsere heutigen Probleme nur so, wie es unsere Vorfahren mit ihren getan haben, zu lösen.

Solch eine Haltung ist auf dem Gebiet der psychologischen und Sozialwissenschaften besonders gefährlich. Hier wird das Gebot, wahrlich wissenschaftlich vorzugehen, oft wie folgt ausgelegt: Verwende die Techniken der Naturwissenschaften. Deshalb besteht unter vielen Psychologen und Sozialwissenschaftlern die Tendenz, alte Techniken zu imitieren, anstatt neue zu erfinden. Sie werden nötig, weil ihr Entwicklungsgrad, ihre Probleme und ihre Ergebnisse a priori verschieden von denjenigen der physikalischen Wissenschaften sind. Tradition kann in der Wissenschaft eine gefährliche Segnung sein. Loyalität ist eine ausgesprochene Gefahr.

Die Gefahren der wissenschaftlichen Orthodoxie

Eine Hauptgefahr der wissenschaftlichen Orthodoxie besteht darin, daß sie dazu neigt, die Entwicklung neuer Verfahren zu blockieren. Wenn die Gesetze der wissenschaftlichen Methodik bereits formuliert worden sind, bleibt nur ihre Anwendung. Neue Methoden, neue Verfahrenswege müssen unvermeidlich verdächtig sein und sind meistens mit Feindseligkeit begrüßt worden, siehe zum Beispiel die Psychoanalyse, die Gestaltpsychologie, der Rorschach-Test. Die Erwartung solcher Feindseligkeit ist wahrscheinlich zum Teil dafür verantwortlich zu machen, daß die relationale, holistische und syndromatische Logik, Statistik und Mathematik noch nicht erfunden wurden, die für die neuen psychologischen und Sozialwissenschaften erforderlich sind.

Normalerweise ist der Fortschritt der Wissenschaft ein Gemeinschaftsprodukt. Wie sonst könnten einzelne mit ihren Grenzen wichtige, sogar große Entdeckungen machen? Wenn es keine Zusammenarbeit gibt, stagniert der Fortschritt, bis sich irgendein Riese zeigt, der keine Hilfe braucht. Orthodoxie bedeutet die Verweigerung der Hilfe für den Heterodoxen. Da wenige nur (unter den Heterodoxen wie unter den Orthodoxen) Genies sind, bedeutet dies einen kontinuierlichen, glatt verlaufenden Fortschritt einzig für die orthodoxe Wissenschaft. Wir können erwarten, daß heterodoxe Ideen in langen Perioden mißtrauischer Vernachlässigung oder Opposition aufgehalten werden, nur um dann ziemlich plötzlich den Durchbruch zu schaffen (wenn sie richtig sind) und später ihrerseits orthodox zu werden.

Eine andere, wahrscheinlich schwerwiegendere Gefahr der Orthodoxie, die von der Konzentration auf die Mittel gefordert wird, ist die Tatsache, daß sie mehr und mehr den Zuständigkeitsbereich der Wissenschaft einengt. Dadurch wird nicht nur die Entwicklung neuer Techniken blockiert; auch viele Fragestellungen, und zwar, weil der Leser nunmehr darauf vorbereitet sein sollte, daß solche Fragen von den gerade verfügbaren Techniken nicht beantwortet werden können, Fragen also zum Beispiel über das Subjektive, über Werte, über Religion. Nur diese ziemlich törichten Gründe machen jenes überflüssige Geständnis der Niederlage, jene contradictio in se, den Begriff des "unwissenschaftlichen Problems" möglich, als ob es irgendeine Frage gäbe, die man nicht fragen und beantworten dürfte. Sicherlich würde es niemand, der die Geschichte der Wissenschaft gelesen und verstanden hat, wagen, von einem unlösbaren Problem zu sprechen; er würde nur von Problemen sprechen, die noch nicht gelöst worden sind. Damit haben wir einen klaren Ansporn fürs Handeln, für die weitere Anwendung von Einfallsreichtum und Erfindungskraft zur Verfügung. Wenn wir das in den Begriffen der wissenschaftlichen Orthodoxie formulieren, das heißt, wenn wir danach fragen, was wir mit der wissenschaftlichen Methode (wie wir sie kennen) anfangen können, werden wir zum Gegenteil ermuntert, das heißt, zu freiwillig auferlegten Selbstbeschränkungen, zur Abdankung in weiten Bereichen menschlichen Interesses. Es ist sogar in jüngsten Diskussionen der Bemühungen des Kongresses um die Errichtung nationaler Forschungsstiftungen vorgekommen, daß einige Physiker vorgeschlagen haben, die psychologischen und die Sozialwissenschaften von der Förderung auszuschließen, weil sie nicht "wissenschaftlich" genug seien. Auf welcher möglichen Grundlage hätte diese Forderung aufgestellt werden können, wenn nicht auf der Grundlage der ausschließlichen Hochachtung vor polierten und erfolgreichen Techniken und einem vollständigen Mangel an Bewußtsein von der fragestellenden Natur der Wissenschaft und ihrer Verwurzelung in menschlichen Werten und Motiven? Wie soll ich als Psychologe diese und ähnliche Sticheleien meiner Physiker-Freunde übersetzen? Soll ich ihre Techniken verwenden? Aber sie sind doch für meine Probleme nutzlos. Wie würde das die psychologischen Probleme einer Lösung zuführen? Sollen sie denn nicht gelöst werden? Oder sollten Wissenschaftler an diesem Bereich vollständig abdanken und ihn wiederum den Theologen überlassen? Oder existiert hier vielleicht ein höhnisches Lächeln ad hominem? Wird gefolgert, daß Psychologen dumm und Physiker intelligent sind? Aus welchen Gründen denn kann man eine so im Innersten unwahrscheinliche Feststellung treffen? Eindrücke? Dann muß ich meine Eindrücke vorbringen, daß es in einer wissenschaftlichen Gruppe so viele Narren gibt wie in jeder anderen. Welcher Eindruck ist gültiger?

Ich muß leider sagen, daß ich keine andere mögliche Erklärung sehe als eine, die heimlich der Technik den ersten Platz – vielleicht den einzigen – gibt.

Mittelkonzentrierte Orthodoxie ermuntert Wissenschaftler, "sicher und vernünftig" zu sein, anstatt kühn und herausfordernd. Sie läßt es als die normale Beschäftigung des Wissenschaftlers erscheinen, sich Zentimeter um Zentimeter vorwärts zu bewegen, auf gut gebauten Straßen, anstatt neue Wege durch das Unbekannte zu schlagen. Sie forciert konservative anstatt radikale Verfahren, das Noch-nicht-Bekannte zu erforschen. Sie läßt den Wissenschaftler zu einem Siedler anstatt zu einem Pionier werden.*

* "Das Genie ist eine Panzervorhut; ihr blitzschnelles Vordringen ins Niemandsland läßt ihre Flanken notwendigerweise ungeschützt." (Koestler, A., Der Yogi und der Kommissar)

Der richtige Platz für den Wissenschaftler – einmal in der Zeit zumindest – befindet sich inmitten des Unbekannten, des Chaotischen, des noch Dunklen, des Unhandlichen, des Mysteriösen, des Noch-nicht-gut-genug-Formulierten. Dies ist, wo ihn die problemorientierte Wissenschaft so stark wie möglich haben möchte. Und dies ist, wohin zu gehen man ihn warnt, durch den mittelorientierten Zugang zur Wissenschaft.

Die Überbetonung von Methode und Technik ermuntert die Wissenschaftler zur Annahme, 1. daß sie objektiver und weniger subjektiv sind als in Wirklichkeit und 2. daß sie sich nicht mit Werten befassen müssen. Methoden sind ethisch neutral; Probleme und Fragen müssen es nicht sein, denn früher oder später berühren sie ebenfalls den Punkt, wo sich all die gewundenen Argumente über Werte ergeben. Ein Weg, Wertprobleme zu vermeiden, besteht in der Betonung der Technik in der Wissenschaft mehr als ihrer Ziele. Wahrscheinlich ist eine der Hauptursachen für die mittelorientierte Ausrichtung der Wissenschaft die Bemühung, so objektiv (unbewertet) wie möglich zu sein.

Doch wie uns das Kapitel 1 vorgeführt hat, kann Wissenschaft nicht vollkommen objektiv sein, war es nicht und ist es nicht, das heißt, unabhängig von menschlichen Werten. Es ist auch höchst fraglich, ob sie es überhaupt versuchen sollte (das heißt, vollständig objektiv und nicht so objekitiv, wie es Menschen nur sein können). Alle die in diesem und im vorigen Kapitel angeführten Fehler bezeugen die Gefahren des Versuchs, die Mängel der menschlichen Natur zu vernachlässigen. Der Neurotiker zahlt nicht nur einen großen subjektiven Preis für seine vergeblichen Versuche, sondern wird ironischerweise auch zu einem immer schlechteren Denker.

Wegen dieser eingebildeten Unabhängigkeit der Werte werden die Wertmaßstäbe immer verschwommener. Wären die mittelorientierten Philosophien extrem (was sie selten sind) und ziemlich konsistent (was zu sein sie nicht wagen, wegen der Furcht vor den offensichtlich törichten Konsequenzen), gäbe es keinen Weg, zwischen einem wichtigen und einem unwichtigen Experiment zu unterscheiden. Es gäbe nur technisch gut durchgeführte und technisch schlecht durchgeführte Experimente.* Bei ausschließlicher Anwendung von methodologischen Kriterien müßte man der trivialsten Forschung ebensoviel Respekt entgegenbringen wie der fruchtbarsten.

Selbstverständlich ist das nicht der Fall, zumindest nicht extrem, aber nur deshalb, weil andere als nur methodologische Kriterien und Maßstäbe angewendet werden. Doch obwohl dieser Fehler selten in seiner offenkundigen Form auftritt, gibt es ihn häufig genug in seiner weniger offenkundigen. Die Annalen der Wissenschaft sind voll von Beispielen, die illustrieren, daß alles, was man überhaupt nicht zu tun braucht, auch nicht gut getan werden muß.

* "Ein Wissenschaftler wird ›groß‹ genannt, nicht weil er ein Problem gelöst hat, sondern weil er ein Problem gestellt hat, dessen Lösung einen wirklichen Fortschritt darstellt." (Cantril, H., An inquiry concerning the characteristics of man, J. abnorm. sodal Psychol., 1950, 45, 491-503) "Die Formulierung eines Problems ist viel häufiger wesentlicher als seine Lösung, die nur eine Angelegenheit der mathematischen oder experimentellen Geschicklichkeit sein kann. Neue Fragen zu stellen, neue Möglichkeiten zu finden, alte Probleme unter einem neuen Gesichtspunkt zu betrachten, erfordert kreative Vorstellungskraft und bezeichnet den wirklichen Fortschritt in der Wissenschaft." (Einstein, A., and Infeld, L., The Evolution of Physics, Simon and Schuster, 1938)

Wenn die Wissenschaft nicht mehr als ein Kompendium von Regeln und Verfahren wäre, was für einen Unterschied gäbe es zwischen Wissenschaft auf der einen und Schach, Alchemie, "Regenschirmkunde" oder Dentistenpraxis auf der anderen?*

* Sir Richard Livingstone, vom Corpus Christi College, Oxford, hat den Techniker als "einen Menschen" definiert, "der alles an seinem Beruf versteht außer dessen letztlichen Zweck und dessen Rang in der Ordnung des Alls." Jemand anders hat in ähnlicher Weise einen Experten als eine Person definiert, die alle kleinen Fehler vermeidet, während sie mit Riesenschritten auf den großen zueilt.

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Vorwort zur Motivationstheorie

In diesem Kapitel werden sechzehn Thesen zur Motivation vorgestellt, die jede vernünftige Motivationstheorie berücksichtigen muß. Manche dieser Thesen sind so wahr, daß sie bereits Allgemeinplätze darstellen. Sie müssen daher, glaube ich, neu herausgestrichen werden. Andere werden weniger annehmbar und daher diskutabler sein.

Der einzelne als ein integriertes Ganzes

Unsere erste These stellt fest, daß der einzelne ein integriertes, organisiertes Ganzes ist. Diese theoretische Feststellung wird gewöhnlich von den Psychologen scheinheilig akzeptiert, um dann in ihren tatsächlichen Experimenten ignoriert zu werden. Daß es sich um eine experimentelle wie auch um eine theoretische Realität handelt, muß man erkennen, bevor vernünftiges Experimentieren und eine vernünftige Motivationstheorie möglich werden. In der Motivationstheorie bedeutet diese These viele spezifische Dinge. Zum Beispiel bedeutet sie, daß der gesamte einzelne motiviert ist und nicht nur ein Teil von ihm. In einer vernünftigen Theorie existiert daher keine Einheit wie ein Magen- oder Mund-Bedürfnis oder ein Genitalbedürfnis. Es gibt nur ein Bedürfnis des einzelnen. Es ist Johann Schmidt, der Nahrung verlangt, nicht Johann Schmidts Magen. Außerdem ergibt sich Befriedigung für den ganzen einzelnen und nicht nur für einen Teil von ihm. Nahrung befriedigt Johann Schmidts Hunger und nicht den Hunger seines Magens.

Die Behandlung von Johann Schmidts Hunger als einer bloßen Funktion seines gastrointestinalen Traktes hat die Experimentalpsychologen dazu gebracht, die Tatsache zu vernachlässigen, daß ein einzelner, wenn er hungrig ist, sich nicht nur in seinen gastrointestinalen Funktionen ändert, sondern in vielen anderen, vielleicht sogar in den meisten anderen Funktionen, derer er fähig ist. Seine Wahrnehmung ändert sich (er wird Nahrung rascher wahrnehmen als zu anderen Zeiten). Seine Erinnerungen ändern sich (er wird sich leichter an eine gute Mahlzeit erinnern als sonst). Seine Emotionen ändern sich (er ist angespannter und nervöser als sonst). Der Inhalt seines Denkens ändert sich (er wird mehr nachdenken, wie er zur Nahrung kommt, als über ein algebraisches Problem). Und diese Aufzählung kann man auf fast jede andere Fähigkeit und Funktion, sowohl physiologischer wie auch psychologischer Natur, ausdehnen. Mit anderen Worten, wenn Johann Schmidt hungrig ist, ist er es ganz; er ist als einzelner jemand anders als er sonst zu anderen Zeiten ist.

Hunger als Paradigma

Hunger als ein Beispiel für alle anderen Motivationszustände zu wählen, ist sowohl theoretisch wie auch praktisch unvernünftig. Man kann nach näherer Betrachtung erkennen, daß der Hungertrieb mehr ein Spezialfall der Motivation ist als ein genereller. Er ist isolierter (um dieses Wort so zu verwenden, wie es die Gestalt- und die Goldstein-Psychologen tun) als andere Motivationen, und auch weniger allgemein. Und schließlich unterscheidet er sich von anderen Motivationen darin, daß er eine bekannte somatische Basis besitzt, was für Motivationszustände ungewöhnlich ist. Was sind die allgemeineren unmittelbaren Motivationen? Wir können sie leicht erkennen, indem wir einen durchschnittlichen Tag von innen her durchleuchten. Die Wünsche, die im Bewußtsein aufblitzen, sind am häufigsten Wünsche nach Kleidern, Autos, Freundlichkeit, Gesellschaft, Lob, Prestige und ähnlichem. Gewohnheitsgemäß hat man sie als sekundäre oder kulturelle Triebe formuliert und sie im Rang als verschieden von den wahrhaft "respektablen" oder Primärtrieben betrachtet, das heißt, den physiologischen Trieben. Doch in Wirklichkeit sind sie für uns weit wichtiger und auch weit allgemeiner. Deshalb ist es besser, einen von ihnen als Beispiel zu wählen und nicht den Hunger.

Allgemein hat man angenommen, daß alle Triebe dem von den physiologischen Trieben gesetzten Beispiel folgen. Man kann bereits jetzt voraussagen, daß dies nie der Fall sein wird. Die meisten Triebe sind nicht isolierbar, noch können sie somatisch lokalisiert werden, noch können sie betrachtet werden, als wären sie das einzige, was im Organismus in einem bestimmten Zeitpunkt geschieht. Der typische Trieb oder das typische Bedürfnis oder Verlangen kann man nicht auf eine spezifische, isolierte, lokalisierte somatische Basis beziehen, und wird es auch wahrscheinlich nie können. Das typische Verlangen ist offenkundig viel mehr ein Bedürfnis der ganzen Person. Es wäre viel besser, zu Forschungszwecken ein Modell, wie etwa das Verlangen nach Geld, zu wählen, als den Hungertrieb, oder noch besser ein tiefergehendes, wie das Verlangen nach Liebe. Wenn man die bisher vorliegenden Indizien betrachtet, stimmt es wahrscheinlich, daß wir niemals das Bedürfnis nach Liebe verstehen würden, soviel wir auch über den Hungertrieb wüßten. Tatsächlich kann man auch die dezidiertere Behauptung aufstellen, daß wir nämlich aus der vollen Kenntnis des Liebesbedürfnisses mehr über die allgemeine menschliche Motivation (einschließlich des Hungers) lernen können, als aus einer gründlichen Untersuchung des Nahrungstriebs.

Man sollte sich in diesem Zusammenhang die kritische Analyse des Begriffs der Einfachheit in Erinnerung rufen, die so oft von den Gestaltpsychologen angestellt wurde. Der Nahrungstrieb, der einfach zu sein scheint, wenn man ihn mit dem Liebesbedürfnis vergleicht, ist auf lange Zeit gesehen tatsächlich keineswegs so einfach. Der Schein der Einfachheit kann durch die Auswahl isolierter Fälle erreicht werden, solcher Aktivitäten, die relativ unabhängig von der Ganzheit des Organismus sind. Eine wichtige Aktivität wird leicht in dynamische Zusammenhänge mit fast allem anderen zu stellen sein, was in einer Person wichtig ist. Warum dann eine Aktivität heraussuchen, die in diesem Sinn überhaupt nicht durchschnittlich ist, eine Aktivität, der man besondere Aufmerksamkeit nur deshalb zuwendet, weil man sie mit unseren üblichen (aber deshalb nicht notwendig korrekten) experimentellen Verfahren der Isolierung, Reduktion oder Unabhängigkeit von anderen Aktivitäten behandeln kann? Wenn wir vor die Wahl gestellt sind, entweder 1. experimentell einfache Probleme zu behandeln, die jedoch trivial oder ungültig sind, oder 2. experimentelle Probleme, die sehr schwierig sind, aber wichtig, sollten wir nicht zögern, uns für die letzteren zu entscheiden.

Mittel und Zwecke

Wenn wir die durchschnittlichen Bedürfnisse unseres täglichen Lebens sorgfältig untersuchen, sehen wir, daß sie zumindest eine wichtige Eigenschaft haben, das heißt, daß sie gewöhnlich Mittel zu einem Zweck sind und nicht ein Zweck an sich. Wir wollen Geld, um ein Auto zu besitzen. Wir wünschen uns ein Auto, weil die Nachbarn eines haben und wir ihnen nicht unterlegen sein wollen, damit wir unsere Selbstachtung behalten und von anderen geliebt und geachtet werden können. In der Analyse eines bewußten Verlangens finden wir gewöhnlich andere, sozusagen tieferliegende Ziele des Individuums. Mit anderen Worten, wir finden hier eine Situation vor, die der Rolle der Symptome in der Psychopathologie sehr gleicht. Die Symptome sind wichtig, nicht so sehr an sich, sondern darin, was sie letztlich bedeuten, das heißt, was letztlich ihre Ziele oder Wirkungen sein mögen. Die Untersuchung von Symptomen an sich ist ziemlich unwichtig, doch die Analyse der dynamischen Bedeutung der Symptome ist wichtig, weil sie fruchtbar ist – zum Beispiel zur Ermöglichung der Psychotherapie. Die besonderen Bedürfnisse, die in unserem Bewußtsein dutzende Male am Tag auftauchen, sind nicht an sich wichtig, sondern vor allem darin, wofür sie stehen, wohin sie führen, was sie letztlich nach gründlicherer Analyse bedeuten.
Es ist für diese gründlichere Analyse charakteristisch, daß sie immer letztlich zu bestimmten Zielen oder Bedürfnissen führt, über die wir nicht hinausreichen; das heißt, zu bestimmten Bedürffiisbefriedigungen, die schon Zweck an sich zu sein scheinen und keiner weiteren Rechtfertigung oder Manifestation bedürfen. Solche Bedürfnisse haben im Durchschnittsmenschen die besondere Eigenschaft, selten direkt betrachtet werden zu können, jedoch häufiger eine Art begriffliche Ableitung der Vielfalt an spezifischen bewußten Bedürfnissen zu sein. Mit anderen Worten, die Motivationsanalyse muß zum Teil auch Untersuchung der elementaren menschlichen Ziele, Wünsche oder Bedürfnisse sein.

Diese Fakten ergeben eine andere Notwendigkeit für eine vernünftige Motivationstheorie. Da solche Ziele nicht oft direkt im Bewußtsein beobachtet werden können, werden wir gezwungen, das gesamte Problem der unbewußten Motivation zu behandeln. Sorgfältige Untersuchungen des bewußten Motivationslebens allein werden häufig vieles auslassen, was genauso oder noch wichtiger ist als das, was man im Bewußtsein beobachten kann. Die Psychoanalyse hat häufig gezeigt, daß die Beziehung zwischen einem bewußten Verlangen und dem letztlich unbewußten Ziel, das dem Verlangen zugrunde liegt, überhaupt nicht unmittelbar sein muß. Tatsächlich kann die Beziehung eine negative sein, wie etwa in Reaktionsformationen. Wir können abschließend also behaupten, daß eine vernünftige Motivationstheorie das unbewußte Leben nicht vernachlässigen darf.

Verlangen und Kultur

Es gibt bereits genügend anthropologisches Beweismaterial dafür, daß die tiefen oder elementaren Bedürfnisse aller menschlichen Wesen nicht annähernd so stark voneinander verschieden sind wie ihre bewußten alltäglichen Wünsche. Der Hauptgrund dafür ist, daß verschiedene Kulturen vollkommen verschiedene Wege zur Befriedigung eines bestimmten Bedürfnisses anbieten können, etwa für Selbstachtung oder anderes. In der einen Gesellschaft erhält man Selbstachtung, indem man ein guter Jäger ist; in einer anderen als großer Medizinmann oder mutiger Krieger oder als emotionslose Persönlichkeit und anderes mehr. Deshalb kann es, mit Hinsicht auf das Elementare, dazu kommen, daß das Verlangen danach, ein guter Jäger zu sein, dieselbe Dynamik und dasselbe fundamentale Ziel hat wie das Verlangen eines anderen, ein guter Medizinmann zu sein. Wir können deshalb behaupten, daß es für den Psychologen nützlicher ist, diese beiden scheinbar verschiedenen bewußten Wünsche in derselben Kategorie zu vereinen, anstatt sie auf Grund von rein verhaltensmäßigen Überlegungen in verschiedene Kategorien einzuordnen.

Anscheinend sind Zwecke an sich weit allgemeiner als die Wege dahin, denn diese werden lokal von der jeweiligen Kultur bestimmt. Die Menschen gleichen einander mehr, als man auf den ersten Blick sieht.

Multiple Motivationen

Wir haben aus der Analyse der Psychopathologie gelernt, daß ein bewußtes Verlangen oder ein motiviertes Verhalten eine weitere Besonderheit hat, die mit jener verknüpft ist, die wir gerade besprochen haben. Das heißt, daß das Verlangen oder Verhalten als eine Art Kanal dienen kann, durch den andere Zwecke ausgedrückt werden. Es gibt einige Möglichkeiten, dies aufzuzeigen. So ist bekannt, daß sexuelles Verhalten und bewußte sexuelle Wünsche ungeheuer komplex hinsichtlich ihrer darunterliegenden unbewußten Ziele sein können. Bei dem einen kann sexuelles Verlangen faktisch das Bedürfnis bedeuten, sich seiner Männlichkeit zu vergewissern. Beim anderen mag es im Grund das Bedürfnis repräsentieren, Eindruck zu machen, oder das Verlangen nach Nähe, Freundlichkeit, Sicherheit, Liebe oder jedwede Kombination davon. Auf der bewußten Ebene mag das sexuelle Verlangen bei jedem einzelnen denselben Inhalt haben, und wahrscheinlich würden alle den Fehler begehen, zu denken, daß sie nur sexuelle Befriedigung suchen. Doch wir wissen jetzt, daß dies nicht richtig ist, daß es für das Verständnis des einzelnen nützlich ist, sich damit zu befassen, was sexuelles Verlangen und Verhalten grundsätzlich darstellen, mehr als damit, was jeder einzelne denkt, daß sie darstellen. (Das stimmt sowohl für das vorbereitende wie auch für das konsumierende Verhalten.)

Ein anderer Beweis in diesem Punkt ist der Befund, daß ein einziges psychopathologisches Symptom zugleich einige verschiedene, ja sogar einander entgegengesetzte Bedürfnisse repräsentieren kann. Ein hysterisch paralysierter Arm kann die Erfüllung gleichzeitiger Wünsche nach Rache, Mitleid, Liebe und Achtung darstellen. Den bewußten Wunsch im ersten oder das äußere Symptom im zweiten Beispiel nur nach Verhaltensmerkmalen zu beurteilen, bedeutet, willkürlich die Möglichkeit aufzugeben, das Verhalten und den Motivationszustand des einzelnen total zu verstehen. Es sei betont, daß es ungewöhnlich ist, nicht üblich, daß eine Handlung oder ein bewußter Wunsch nur eine Motivation haben.

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